Tipps für eine Kursleiterin ;)

Hallo liebes einradfahrendes Volk!
Vielleicht kurz zum Hintergrund meiner Frage:
Ich bin vor gut zwei Jahren wegen dem Studium aus Berlin nach Görlitz gezogen. Leider habe hier ich so gar keine Einradfahrer, geschweige denn einen Verein gefunden, der eine Hallenzeit besitzt (zum Trialfahren bin ich nicht geeignet bzw. es fehlt mir die Lust). So bin ich auf die Idee gekommen, einfach einen Kurs im Rahmen des Hochschulsports anzubieten. Fünf “Mutige” haben sich bereits gefunden… :wink: .
Der Kurs startet in der nächsten Woche… :slight_smile:
Jetzt zu meiner Frage-
Gibt es sinnvolle Vorübungen (ohne Einrad) für das Erlernen des Einradfahrens? Oder sagt Ihr einfach rauf aufs Rad und losgefahren?
Beim Jonglieren habe ich letzte Woche schon die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, die Teilnehmer eher behutsam an die Materie heranzuführen…
Ich bin für jeden Tipp oder jede Meinung dankbar!
Gruss kaffeebohne

Hallo,

sehr Lobenswert dein Einsatz. Beim Erlernen eines neuen Sportgeräts gibt es eine Heranführung an das Gerät. Die erste Stufe des Lernens heißt in der Fachsprache “Instrumentelles Lernen”. Komisches Wort, wenn man bedenkt, dass es eine spielerische Hinführung ist, aber so kannst du es anleiten: “Hier habt ihr ein Einrad, spielt einfach mal damit rum und schaut, was es kann”. Die neuen Einradfahrer werden dann explorativ die Funktionen des Einrads erkunden (wieder son toller Satz). Dabei kannst du ganz unterschiedliche Aktionen beobachten. Erwachsene haben schon eine konkrete Bewegungsvorstellung und werden wohl versuchen, darauf fahren zu wollen, während Kinder hingegen das Einrad wohl auf den Kopf stellen werden und die Pedalen mit den Händen drehen.

Das kannst du aber nicht die ganze Stunde machen. Dann gibt es noch, bei uns heißt es “Basic” Training. Es lässt sich wunderbar im Kreis durchführen und jeder kann dich als Übungsleiter sehen, du musst das nämlich vormachen. Dabei klemmst du das Einrad ein, so als würdest du Aufsteigen wollen. Dann kannst du daraus verschiedene Übungen machen. Ferse anheben. Knie anheben. Knie ausstrecken. Mit der Hand jeweils Knie und Fußspitze antippen. Komplett übersteigen. Sei kreativ, denk dir noch Übungen aus, aber schreib sie hier wieder ein. Dann kannst du schauen, wie sich die neuen Einradfahrer anstellen. Ob sie nur Knie anheben, oder auch die Hüfte nach oben über die Stange bewegen (da lassen sich schon Unterschiede feststellen). Aber du solltest auch den Fokus darauf legen, dass man den Oberkörper anhebt und vom Fuß auf den Boden einen guten Abdruck macht. Ein Übersteiger ist hier völlig ok und keineswegs schlimm. Neben Gerätegwöhnung trainierst du hier auch gleich den Aufstieg mit.

So ein Basic-Programm dauert aber auch noch keine Stunde. Da musst du noch was anderes machen. Aber das ist nicht weiter schwer. Die Hauptmotivation ist ja, dass die neuen auch Einrad fahren wollen. Also lässt du das machen. Du baust mit einen Korridor aus Kästen auf und lässt die Einradfahrer dazwischen probieren. Wenn es dann schon besser geht, kannst du mit 2 Kästen einen Startkorridor in die Halle reinbauen. Am Kasten aufsteigen, der Korridor ist die “Startrampe” und dann gehts in die Halle.

Hi
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei Erwachsenen ganz gut hilft, ein paar Beckenübungen zu machen. Beim Einradeln kommt es ja genau auf den Punkt an, wo man sitzt. Also der Anfänger soll zuerst einmal ein Gefühl für den eigenen Körper bekommen Mache ich ein Hohlkreuz oder nicht, wie sitze ich auf dem Rad. Gut ist zuerst einmal nur sitzen und das Becken vor und zurück und seitlich kippen, so dass man erkennt wo der stabile Punkt ist.
Dann lernt der Schüler sich einmal einzurichten bevor er los fährt.
Rücken gerade - kein Hohlkreuz - Kopf hoch usw.

Charly

Vielleicht hast du die Möglichkeit irgendwo ein Skatebike(großes Rad hinten, 2 Skateboard Räder vorne) auszuleihen - das Rad ist viel leichter zu fahren als ein Einrad, und vermittelt den Anfänger gleich die aufrechte Sitzposition und das “Hüftspiel” für die Balance.

Sonst sind sicher alle Übungen die das Gleichgewicht schulen von Vorteil, wie u.a. auch freihändig fahren mit dem Fahrrad, Wheelie usw.

gunghi

Dann hast du das Problem mit der Motivation und die Teilnehmer sagen dir: “Dann hätte ich mich fürn Skatebike-Kurs angemeldet, ich möchte doch Einradfahren lernen” :confused:

Das ist gut möglich, aber dadurch haben sie wenigstens am Anfang schon einmal ein Erfolgserlebnis, der harte und lange Weg des Einradfahren-Lernens kommt dann sowieso noch später, wo man die Teilnehmer immer wieder motivieren muß zum Weiterüben… :slight_smile:

gunghi

Hallo liebes einradfahrendes Volk!
@gossi: Danke für Deine aufmunternden Worte. Aber ich tue es ja auch aus ganz egoistischen Gründen. Ich will hier halt nur studieren, sondern auch Spaß haben- auf dem Einrad und in der Halle. Da war das Anbieten eines Hochschulsportkurses die beste Variante. Und desto mehr, desto besser, ne.:wink:
@alle: Vielen Dank für die vielen tollen und kreativen Ideen. Jetzt kann ich dem ersten Kurstermin entspannter entgegensehen und habe auch schon Ideen, wie es machen kann.
kaffeebohne, die sich schon wahnsinnig auf den ersten Einradkurs an der Hochschule Zittau/Görlitz (Campus Görlltz) freut! :slight_smile:

Echt? also wir haben ein skatebike und ich find Einradfahren viel leichter :smiley: Aber gut, ich habs auch erst 2 mal kurz probiert.

Darja

Zwischenbilanz nach der ersten Stunde

Hallo liebes einradfahrendes Volk!
Hier eine kurze Zwischenbilanz nach der ersten Stunde.
Vier Teilnehmer sind erschienen.
Eine stellt sich richtig gut an- die wird es bald können (bestimmt vor Weihnachten).
Zwei brauchen kaum noch Hilfe und haben schon ein gutes Gefühl fürs Rad. Eine von den beiden hat sogar, als sie das erste Mal auf dem Rad saß, einen richtigen Lachanfall bekommen. So etwas habe ich noch nie erlebt… :slight_smile:
Eine, so scheint es mir, hat noch ein wenig Angst vor dem Einradfahren. Aber das wird schon.
Summa summarum haben wir zusammen echt viel Spaß! Das Einradfahren kommt dann fast automatisch. :wink:
Grüsse
kaffeebohne

…und wie bringst du die (wahrscheinlich nicht mehr ganz) Anfänger zum Fahren? Hört sich so an, als würden 2 schon eine gewisse Vorerfahrung haben?!

gunghi

bei Kindern würde ich das nich so machen. die würden schnell die geduld verlieren und sich nicht mehr konzentrieren. als ich einradfahren gelernt hab, wurde mir einfach ein einrad in die hand gegeben und mir wurde gezeigt, wie ich aufsteige und man an einer sprossenwand langfährt. so hab ich das dann ziemlich schnell gelernt

Da hat der kleine Mann nicht unrecht. Charlies Idee funktioniert wieder, wenn ein Mensch so etwa zu Anfang/Mitte seiner zweiten Dekade mit zwei Beinen im Leben steht - je nach sportlicher Bewegungserfahrung :).

@gunghi: Die erste Stunde war ja nur zum Erlernen des Gefühls und des richtigen Sitzens gedacht, d.h. Ziel war es, den Leuten ein gutes und “richtiges” Sitzen (entspannt und mehr Gewicht im Sattel als in den Pedalen) zu vermitteln. Unterstützend sind wir zu zweit im einer helfenden aber zu doll haltenden Hilfestellung nebenher gelaufen.
Zwei der Teilnehmer haben sich kaum noch an unseren Armen festgekrallt und hatten schon ein gutes Gefühl für das Tempo.
Vorerfahrung hat eigentlich keiner. Ich habe danach gefragt. Nur einer hatte ich mal vor Monaten eine Einradstunde verpasst. :slight_smile:
Aufgrund der Größe bzw. Kleine der Gruppe kann ich sehr individuell mit den Teilnehmern arbeiten und kann individuell nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen.
Allerdings erlebe ich es immer wieder, dass eine gute Körperbeherrschung eine gute Voraussetzung darstellt. Oft haben Kinder, die ich in Berlin trainiert habe, vorher Tanz- oder Turnerfahrungen gesammelt. Das sieht man dann sofort an der Haltung, wie sie auf dem Einrad sitzen.

Als nächsten Schritt, werde ich dann die Hilfestellung modifizieren, d.h. anstatt der Hände werden dem Teilnehmer die Schulter zum eventuellen Festhalten angeboten.

Aber dennoch bin ich offen für andere Wege, Strategie und Ideen! :wink:

LG kaffeebohne

Ja, die Hilfestellung würde ich in der Tat modifizieren, allerdings in eine andere Richtung. Für die Hilfestellung gilt: Der Fahrer hält sich NIEMALS fest. Der Helfer hält den Fahrer fest.
Der Griff sieht so aus, dass die nahe Hand des Helfers die Hand des Fahrers festhält. Die Helferhand umschließt die Hand des Fahrers von außen. Also die äußere Handfläche des Fahrers wird dabei umschlossen. Nicht die Innenseite, dort liegen die Reflexe, die sonst das ‘Schnappen’ der Hand auslösen, was es zu verhindern gilt. Also der Fahrer soll mit der Hand nicht zupacken.
Die ferne Hand des Helfers packt den Ellbogen. Hier kann man den Fahrer genau ausrichten, man packt da richtig fest zu, sodass der Fahrer einen deftigen Druck erfährt. Je besser der Fahrer dann fahren kann, desto weniger Druck wird von dieser Hand ausgeübt. Mag im ersten Moment auf den Fahrer ein wenig verstört wirken, dass der Druck so hoch ist, aber nur beim ersten Mal :wink:

Um nochmal auf den Anfang zu schließen, dass der Fahrer sich NIEMALS festhält. Wenn du einen Fahrer hälst und mit ihm einen Trick üben willst, er sich aber versucht an dir festzuhalten, kannsde ihn immer wieder daran erinnern: “Ich halte dich fest, nicht du an mir”, und wenn du mit ihm 3x die Halle durchläufst :wink:

Und jetzt nochmal erklärt, warum die sich nicht festhalten sollen: So trainierst du den Fahrern neben dem Fahren auch noch das Klammergriff an, dass früher oder später mit automatisiert wird. Dann müsstest du dort was abtrainieren bzw. später umtrainieren, damit dieser Klammergriff wieder weggeht, und die Fahrer frei fahren können, ohne sich irgendwo festzuhalten. Und Umtraining sollte tunlichst vermieden werden!

Du bist kein Baum! Du bist Trainer!

Wenn man immer als Haltebaum daneben steht kann das auch ausgesprochen unselbstständig machen. Bei manchen kommt dann nach jeden Rucker der Gedanke: “Na ein Glück, dass ich jemanden zum festhalten hatte, sonst hätt ich jetzt bestimmt auf der Nase gelegen!” Ich hatte mal nen Mädel im Training, was so Angst vor neuen Tricks hatte und vor der Möglichkeit dabei hinzufallen, das sie solange sie nicht gehalten wurde auch nichts geübt hat, sondern dann wirklich immer gewartet hat bis sie mal wieder an der Reihe ist. Wenn man diese Hand-und-Oberarm-Haltemethode macht, merkt der Fahrer aber ganz schnell kaum noch dass er gehalten wird. Außerdem kannst du als haltender bestimmen wie weit du dem Ruckler nachgibst. Der, der übt soll ja auch merken wie er und sein Rad reagieren und wohin er kippt. Hingegen wenn sich dein Schützlingan deiner Schulter fest krallt, läuft das auf eine deutlich steifere Verbindung hinaus.

Außerdem kann es dir auch ziehmlich wehtun, wenn sich deine Schüler an dir festhalten! Die eine bei mir wollte immer noch gehalten werden als sie die Tricks eigentlich schon fast sicher konnte: “wenigstens einen Finger!:o” Das eine mal ist sie rückwärts gefahren und wurde dabei immer schneller bis es irgendwann unkontrolliert war. Jeder, der allein von der Wand los fährt, wäre da längst abgestiegen, wenn er nicht hinfallen möchte. Sie aber hat so auf mich und meinen einzelnen Finger vertraut, dass sie mir den fast ausgerissen hätte. Seit dem halte ich definitiv nur noch nach der von Gossi beschriebenen Methode.

Hallo Kafeebohne,

zunächst mal - klasse Idee deine Idee!

Und nun möchte ich dir auch einen kleinen Rat geben: mir hilft es sehr, wenn ich vor dem radln ein paar Aufwärm- und Kräftigungsübungen mache, praktischerweise solche, die die Rumpfmuskulatur stärken (siehe Beitrag von Gossi zum Thema Voraussetzungen zum Einradfahren Voraussetzungen zum Einradfahren). - Wo man die Übungen herbekommt? Einfach in Fitnesszeitschriften schauen.

Viel Erfolg!

Warmstart

Hallo Kaffeebohne!

Erstmal: tolle Idee deine Idee! Ich bin gespannt darauf, deine Kurs-Erfahrungen und -Erlebnisse demnächst hier zu lesen - und auch Erfolge & Mißerfolge sind bestimmt für den ein oder anderen interessant. Also den Thread ruhig weiter pflegen …

Ja, also wenn ich dir einen Rat geben darf: mir hilft es sehr, wenn ich vor dem 1Radln ein paar Lockerungs- und Kräftigungsübungen mache, praktischerweise solche, die die Rumpfmuskulatur stärken. Das mach ich so 15 min lang, dann bin ich warm, aber nicht ausser Puste. Wo man die Übungen herbekommt? Frauenfitnesszeitschriften :smiley: - wahre Fundgrube.

Viel Erfolg!

Gruß,
MLI

Ein erster großer Schritt-wie ich finde…

Hallo Leute!
Hier ein weiteres kleines Zwischenresüme von der ersten Einradtruppe an der Hochschule Zittau/Görlitz:
Letzte Woche waren nur zwei von vier Schülerinnen da. So konnte ich mich ganz intensiv um die beiden kümmern. Nach einigem Rumjammern hinsichtlich der neuen Haltungstechniken (an der Stelle lieben Dank für die Anregungen!), und ein paar Minuten selbständigen Üben, habe ich beiden den Vorschlag gemacht, dass wir doch mal zusammen auf dem Einrad fahren könnten. Ich erntete entsetzte Blicke… . Aber der Reihe nach haben sie es dann doch probiert. Mit Erfolg!
Nächstes Mal will ich dann, dass die beiden OHNE MICH mal versuchen zu fahren. :stuck_out_tongue:
Grüsse kaffeebohne

Das wäre geschafft…

Wieder kurz ein Zwischenresüme. Zwei von vier Kursteilnehmerinnen sind heute schon fröhlich durch die komplette Halle (Basketballfeld) gefahren. :slight_smile:
Hinterher meinten sie zu mir, dass sie jetzt noch ewig weitermachen könnten, da sie jetzt süchtig wären. :slight_smile:
Grüsse
kaffeebohne, die heute einen echt entspannten Job hatte… :stuck_out_tongue:

Klasse! Das ging aber schnell. Würd mich mal interessieren, ob die beiden heimlich zu Hause geübt haben :roll_eyes:

Oh ja, das Gefühl kenn ich! Da braucht es aber keinen Kurs dazu - ich war bereits Einrad-süchtig, noch BEVOR ich nur einen Fuß auf die Pedale getan habe :astonished: - ich hatte mich nur durch die Threads im Forum gewühlt und der Funke sprang über :roll_eyes: :smiley:

Wie sieht denn nun eine Übungsstunde bei dir aus, was machst du da so? Die wievielte isses denn schon?

Gruß,
MLI

(P.S. nicht wundern über den “Doppelkommentar” von mir, es hatte da technische Probleme gegeben und der erste Versuch war nicht angekommen. Jetzt sind beide drin :o was solls :wink: ]