Hallo,
da der Thread schon ein wenig älter ist, ist mir durchaus bewußt, was die Historie gut hervorhebt.
Meines Erachtens haben meine Vorredner das Thema seinerzeit perfekt aufgenommen. Ich hatte die Anfänge der 29" MTB als 2Rad-Downhiller mitbekommen. Anfänglich wurden die Rennradgrößen im Downhill eher belächelt. Es dauerte aber nicht lange und die Strecken auf denen ich meist unterwegs war wie z.b. Champery, Lets Gets oder Lac Blanc fingen an sich zu verändern. Anlieger wurden höher, weiträumiger und technische Passagen großräumiger bzw die flinken 26" Downhill Bikes gerieten bei den Streckenprofilen immer mehr ins Hintertreffen. Bei den Herstellern für Reifen und Felgen bekam ich ebenfalls den Eindruck, dass die sich, genau wie die Streckenbetreiber, auf die neuen Laufradgrößen konzentrierten. Gefühlt lies die 650B Größe etwas länger auf sich warten wie die Twentyniner. Bei den 27,5er hatte ich eher den Eindruck, dass es der Ersatz für die 26" Räder darstellt und weniger eine eigenständige Entwicklung war, wie die 29" MTBs. Nach meinem Verständnis hat sich die Radindustrie hier “künstlich” entwickelt und mit neuen Produkten neue Anforderungen bei den Strecken geschaffen. Ich habe mit meinem 26" Nicolai Fully nie etwas vermisst, bis man anfing die Strecken Twentyniner konform um zu bauen. Heute fahren immer mehr Leute Bikes, die sich anfühlen wie ein LKW und über alles drüber rollen, wo man beim 26" Rad noch arbeiten durfte. Ich selbst habe irgendwann versucht ein Kompromiss zu finden mit einem 29" Downhill Rad welches eine unüblich steile Lenkgeometrie besaß und damit zumindest so getan hat, als wäre es wendig.
Mein 26" Stahl Nimbus Einrad ist mittlerweile ca 20 Jahre alt und stammt aus den Anfang der 2000er. Mein blaues Alu 27,5er KH ist gut 10 Jahre jünger. Leider kann ich nicht den Vergleich zwischen zwei gleich alten Räder führen, aber zumindest bei den Laufradgrößen und deren Besonderheiten kann ich ein wenig mitreden.
Unsere Waldwege sind größtenteils geschottert. Das 26" Rad hat hier ein relativ kleines Delta des Luftdruckes indem es gut funktioniert. Ist der Druck zu gering, wird es unnötig anstrengend zu fahren bzw holt man sich schnell mal einen platten. Ist der Druck zu hoch, bleibt man bei einer 4-5km Runde mindestens 2 bis 3 mal an einem Schotterstein hängen und das Rad springt nach hinten weg. In dieser Disziplin ist das 27,5" KH spürbar toleranter. Das ein Stein auf den Schotterwegen das Rad stoppte, habe ich bisher noch nicht erlebt unabhängig des Luftdruckes. Auf beiden Rädern habe ich bisher unterschiedliche Reifen gefahren. das Ergebnis war immer eindeutig. Hätte man mir das früher erzählt, hätte ich es wohl nicht glauben wollen aufgrund der minimalen Unterschiede der Laufradgrößen.
Im schwierigeren Gelände verschwimmen die Unterschiede der Laufradgrößen in Bezug auf den Luftdruck etwas mehr. Allerdings ist das 26" spürbar Kräftezehrender zu fahren. Das 27.5er KH fährt sich intuitiver und man ist tiefer in seiner Umgebung integriert. Man vergisst irgendwie, dass man auf einem Einrad sitzt. Beim 26" Nimbus fahre ich eher ein Einrad in meiner Umgebung. Hier ist der Einradsport deutlicher im Bewusstsein. Die Unterschiede vermute ich in dem Gewicht der Laufräder und dessen Entwicklungsschritte. Ob und inwiefern das Gabelmaterial einen spürbaren Unterschied macht, wage ich nicht zu beurteilen. Zumindest erzeugt das 26" Rad einen besseren Trainingseffekt. Das 27,5er KH bringt mich mit meinen Kraftreserven weiter. Ich kann hier kein besser oder schlechter fest machen, dafür aber ein anders und je nachdem bin ich froh beide Möglichkeiten nutzen zu können.
Würde ich heute ein neues Einrad im Laden kaufen, wäre es vermutlich eher ein 27,5er. Auch wenn ein modernes 26" Rad in manchen Punkten meinem KH vermutlich ähnlicher sein wird, wie mein altes Nimbus, so hat man beim 27,5er die bessere Auswahl an Reifen und den (wie ich finde) günstigeren Abrollradius.
Ein 26" Rad zugunsten eines 27,5er zu verkaufen würde ich unter keinem Fall. Dafür sind die Unterschiede zu gering. Ich würde sogar behaupten, dass wenn man auf den Luftdruck achtet, die genannten Unterschiede mitunter verschwimmen. Die aktuelle Reifenauswahl lässt sich zwar nicht weg diskutieren, aber wenn man ein wenig flexibel in der Breite des Reifens ist, findet man auch heute noch Auswahl an guten 26" Reifen.
Gibt es hier Fahrer die ebenso wie ich, beide Größen nutzen? Wie seht Ihr die Unterschiede soviele Jahre nach der Einführung der 27,5" Muni Größe? Ist es für euch ein Schritt der Rad Industrie der völlig überbewertet ist, oder habt Ihr eindeutige Vor und Nachteile heraus fahren können? Würde es Sinn machen, eine z.b. moderne Felge auf ein älteres 26" zu speichen und wenn ja welche Felgen würdet Ihr empfehlen?
Beste Grüße
Chris