Physik von Spins

[B]So, langsam wird’s erst! mein Abi rückt näher und damit mein Plan in der 5. Prüfungskomponente die Physik von Spins zu erklären.

Es wär toll, wenn in den nächsten Wochen und Monaten möglichst viele von euch ihren Senf zu meinen Vorschlägen geben und fragen stellen, wenn irgendwas unlogisch erscheint! :)[/B]

[B]So und jetzt gleich mal zum ersten Problem:

Bei perfekten Spins ist der Unterkörper schräg, aber der Oberkörper mögichst aufrecht. Warum? :thinking: [/B]

Meine Ideen dazu:

Die Schräglage ist nötig; damit man nicht aus der Kurve fliegt.
Denn es wirkt ja, wenn sich etwas im Kreis bewegt stehts die Radial- und damit die Zentrifugalkraft. Sitzt man bei solch kleinen Kreisen senkrecht über dem Berührungspunkt von Reifen und Boden, würde der ganze Körper nach außen “geschleudert”. da der Reifen aufgrund der Haftreibung aber nicht so leicht nach außen driftet, wie der restliche Körper, würde man nach außen runter fallen.
Befindet sich der Körper jedoch in Schräglage, ist der Schwerpunkt des Körpers nicht mehr über dem Auflagepunkt des Reifens, sondern etwas seitlich daneben - man kippt nach innen. Wenn man nun den richtigen Winkel trifft, heben sich die nach innen und die nach außen wirkende Kraft auf und man bleibt auf dem Einrad. Oder was meint ihr dazu?

Warum man den Oberkörper grade hat, würde ich eher mit Estetik erklären. Oder ggf. mit dem Schwindelgefühl (was aber auch eher zur menschlichen Biologie gehört). Oder meint ihr, das hat auch was mit Physik zu tun?

Schräglage.bmp (576 KB)

Dieser Aussage würde ich widersprechen. Nach meinem Empfinden ist bei einem perfekten Spin der gesamte Körper in einer Linie und insgesamt leicht Richtung Kreismittelpunkt geneigt. Die von dir beschriebene Körperhaltung halte ich für den Versuch, Defizite in der Fahrtechnik auszugleichen, auch wenn sich diese Körperhaltung in den letzten Jahren als “perfekt” eingebürgert hat. Früher (vor ca. 10 Jahren) wurde ein Spin als perfekt betrachtet, wenn der Körper komplett gestreckt war.
Aber egal welche Körperhaltung man einnimmt, unter der Annahme daß der Körper ein weitestgehend starres Objekt ist (ganz stimmt es natürlich nicht, weil sich ja z.B. die Beine bewegen müssen), ist der Schwerpunkt interessant. Und der muß zwischen der Fahrlinie und dem Mittelpunkt des Kreises liegen, wie du ja schon erläutert hast. Wo genau ergibt sich aus der Fahrgeschwindigkeit.
Bei gestreckter Körperhaltung, kleinen Radien und hohen Geschwindigkeiten, kann es übrigens durchaus sein, daß der Oberkörper über den Kreismittelpunkt hinausragt. In diesem Fall bewegt sich der Oberkörper rückwärts, auch wenn man den Spin vorwärts fährt. Das ist erst mal ein ziemlich irres Gefühl wenn bei einem Vorwärtsspin der Kopf rückwärts rotiert, aber man gewöhnt sich daran. Umgekehrt hat der Kopf beim Rückwärtsspin dann eine Vorwärtsrotation. Deswegen empfinden manche Leute Rückwärtsspins auch als angenehmer.

Ich wuste gar nicht das die Japaner jetzt komplett grade die Spins fahren.
hab jetzt leider keine bild von einer japanischen Einradfahrerin gefunden aber eins von Janina und sie hat auch den Oberkörper grade.
http://www.einradfahren.de/index.php?module=mod_trixionary&action=image&image_id=138
Der Punkt ist nämlich der das es ähnlich wie beim Ballett ist man muss eine Achse haben bei allen Drehungen und sobald man diese verlohren hat kommt man total ins schlingern.
Das ist bei allen Tricks so nicht nur beim Spin allein schon beim normalen fahren man muss den richtigen punkt finden. Die Achse ist beim Spin im 90° winkel zum boden im idealfall.
Ich denke wenn man komplett grade bleibt und den oberkörper nicht verschiebt ist der schwerpunkt ziehmlich tief und man könnte wahrscheinlich einfach auf die seite fallen.
Ich hoffe ich hab mic verstänlich ausgedrückt und ich muss jetzt nämlich wieder los.

Das hab ich im Selbstversuch ja auch schon zur genüge festgestellt!
Die Frage ist halt nur: warum! Hat das wirklich was mit Physik zu tun oder liegt es nicht eher an unserem Gleichgewichtsorgan? :thinking:

Find ich ja interessant! Hast du davon noch Videos? Ich würd mir das gerne mal im Vergleich angucken.
Aber ich glaub auch, dass es mit aufrechter Körperhaltung leichter geht. :slight_smile:

An alle die sich gewundert haben, seit wann Niels an Spins übt:
Der Beitrag war nicht von ihm! Den hab ich aus Versehen mal wieder unter seinem Namen verfasst. :o

Sorry Leute! Und sorry Schatz!!!

Hier haben sich schon einige zu einem ähnlichen Thema ausgetobt - naja man kann nicht alles zu 100% als Gesetz annehmen :slight_smile: Thematisiert wird hier die typische Pirouette…

http://iq.lycos.de/qa/show/1042917/?id=1042917&aid=3019328&withNeutral=

Also, ich habe Wolfgangs beschriebene Art Spins zu fahren noch nie gesehen und Stelle mir das auch äußerst komisch vor - obgleich das vlt. physikalisch gehen mag, stelle ich mir die praktische Umsetzung (den Körper ‘komplett’ unter Spannung setzen und dann im Kreis rotieren, wobei das Lot in den Kreismittelpunkt etwa beim Hals ist, doch sehr kompliziert vor - man muss sehr schnell treten, oder? Wie kommt man aus dieser Haltung in die Pirouette?)

Ich habe die letzten Trainings erhöht Spins (auf der Stelle) geübt (man kann sich ja auch dabei fortbewegen). Gefahren, wie sie dori im ersten Post erklärt. Sprich. Die Schultern sitzen über der Hüfte, das gefällte Lot vom Hals ab durch die Wirbelsäule nach unten trifft auf den Kreismittelpunkt. Im Po verlässt das gedachte Lot den Körper, dort sitzt der KSP (Körperschwerpunkt). Die Schultern sind auf gleicher Höhe, parallel zum Boden. Die Beine gehen seitlich nach Außen ab. Das Einrad beschreibt eine zumeist kreisförmige Bewegen um den Kreismittelpunkt (das verlängerte Lot). Der Kreis ist leicht Wellenförmig, durch die Tretbewegung schwackelt ja das Einrad ein wenig, die gilt es möglichst gering zu halten. Beim Bild oben von der Janina sieht man es ganz gut, das Bild ist leider etwas schräg geschossen, man muss seinen Kopf etwas neigen (Ich stand aber hinter dem Fotografen, das passt schon ganz gut, wie die Janina das fährt :-)).

Der Po mit dem KSP muss im Kreismittelpunkt sein. Tritt der Po hier nach außen, wird die gezeichnete Wellenbewegung des Rades auf dem Boden größer und die Zentrifugalkraft drückt den Fahrer aus der Rotations-Bewegung und der Spin ist kaputt.
Die Zentrifugalkraft drückt auch die Extremitäten nach außen, sollte sich hier ein erhöhtes Drehmoment aufbauen. Also, hält man die Arme weiter nach außen gestreckt werden die Hände schwerer, ballt man nun die Fäuste zieht es die Arme von alleine nach außen. Wenn ich die Hände zur Faust geballt habe, sind die G-Kräte so enorm, dass ich im Spin meine Hände nicht mehr zur Brust gezogen bekomme. Ich komme mir dadurch schneller vor im Spin, ich weiß allerdings nicht, ob es einfach nur subjektvies Empfinden ist - oder ob es tatsächlich so ist.

Ich hab mal eben in die Formelsammlung der Biomechanik geschaut. Für den Spin wären insbesondere die Größen des Massenträgheitsmoments, Drehmoment und -impuls, Winkelgeschwindigkeit und Kinetische Energie, die sich dadurch gut berechnen ließen.

Was genau willst du denn in deiner Arbeit alles erwähnen - was ist deine Zielsetzung?

Ich müßte noch das eine oder andere von früher auf VHS haben, mir fehlen aber die technischen Möglichkeiten, das in ein sinnvolles elektronisches Format zu konvertieren. Aber ich kann dir “alte” Spins gerne mal vorführen wenn sich die Gelegenheit bietet.

Komisch finde ich es eigentlich nicht. Mir persönlich gefallen diese Spins sogar deutlich besser als die “modernen”, sowohl zum anschauen als auch zum selber fahren. Ja, man muß sehr schnell treten, wenn sie gut aussehen sollen. Aber das ist bei geknickten Spins doch auch so. Bei den geraden Spins kann man den Kreis beliebig klein machen, so daß der Übergang in die Pirouette dadurch erfolgt, daß man den Kreis auf Radius 0 reduziert, die Pedale blockiert und die Arme anlegt, um die Rotation zu beschleunigen.

Ja, der Übergang ist genau so. Nur kommt noch eine Körperstreckung hinzu, die den Knick herausnimmt.

Kannst du dich mal dabei filmen Wolfgang? Ich kann mir das zwar jetzt aus deiner Erklärung irgendwo vor meinem geistlichen Auge vorstellen, eine konkrete Ausführung wäre aber mal der hit - und so wie ich das sehe mag dori das auch sehen.

Bei dem abgeknickten muss man erstmal garnicht so schnell treten. Die Kontrolle darüber ist ja erstmal viel wichtiger - naja, wird bei deinem Spin auch so sein. Aber die Fliegkräfte sind nicht so hoch, da das Massenträgheitsmoment ja sehr gering dadurch gehalten wird, dass die schweren Körperteile sich auf der KLA befinden.

Mache ich. Aber ich komme wohl erst im Laufe der Woche dazu.

Warum wird den die Zentrifugalkraft größer, wenn du die Hände zur Faust ballst? Wenn ich mich nicht irre, hängt diese Kraft doch von der Masse und dem Radius ab - die Masse bleibt gleich und der Radius für den Großteil deiner Hand auch, außer für die Fingerspitzen (da wird er sogar kleiner!). Die Windwiederstand veringert sich auch nicht wirklich, denn gestreckt ist die Hand doch windschnittiger als wenn man sie zur Faust ballt.

Meine Motivation: Bei den meisten Tricks, weiß ich sobald ich runter gefallen bin von selbst, was ich falsch gemacht habe. Bei diesem hatte ich lange Zeit gar keine Vorstellung wie der gehen soll, aber langsam fang ich an inh zu verstehen. Ein weiteresZiel wäre, dass man daraus auch Tipps für andere Spin-Anfänger ableiten könnte (z.B. die ideale Körperhaltung). Und da mir um zu diesem Ziel zu gelangen wahrscheinlich eh nichts anderes übrig bleibt als die Physik zu hinterfragen, bietet es sich einfach an die Ergebnisse dieser Untersuchung auch als 5.PK im Abi zu präsentieren.

Was ich erwähnen will:

  1. Physik bei einfachen vorwärts fahren
  2. einen Anfängertrick (pendeln, hüpfen oder einbeinig fahren)
  3. (und jetzt geht’s ans Eingamachte!) Spins - als einen Trick der sowohl physikalisch vielsichtig und damit technisch anspruchsvoll ist

Was genau ich alles an dem Spin erkläre muss ich noch sehen, wenn wir hier zu verschiedenen Teilfragen philosophiert haben…

Ich habe gestern Abend doch noch einen kurzen Film gemacht. Die Qualität ist nicht besonders gut, weder von der Aufnahme, noch vom Spin. Aber ich hoffe, man sieht das worauf es ankommt.

http://www.youtube.com/watch?v=blK305SH-Ms

Vielen Dank auch Wolfgang, sehr aufschlussreich :slight_smile: Das ist für mich die “Arsch raus” Variante. Sieht man ja bei dir. Die Hüfte ist abgeknickt und die Schultern/Kopf sind etwa über dem Reifen. Das Lot/KLA liegt irgendwo zwischen Kopf und Po, ich würde sogar sagen, sie wandert, so wie du - ich denke aber das liese sich stabilisieren.

Ist das dann jetzt eher eine Geschmacks-Ästhetische Frage? Dann bin ich ehrlich, das spricht mich nicht an. Ein Krummrücken, mit herablassenden Schultern ist - meiner Meinung nach - nicht so ansprechend für ein Publikum. Anders herum ists eher eine offene Haltung dem Publikum hin gewandt und strahlt noch Selbstbewusstsein aus, etwas das ich den Kindern antrainiere.

Nun, das weiß ich nicht warum. Aber mach mal einen Spin, strecke die Arme nach außen hin ab, waagerecht zum Boden und dann mach mal Fäuste. Probier die Hände dann mal an die Brust zu ziehen, ich hab es bisher nicht geschafft - ohne Tempoverlust.
Eine Mögliche Vermutung meinerseits (aber ich bin kein Physiker und bedien mich jetzt mal nur der Biomechanik), dann ist das Massenträgheitsmoment der quadrierte Abstand der Massensegmente zur Drehachse. Die Masse kann ja in den Armen nicht mehr werden, aber durch die Faustballung wird die Masse ja gebündelt, inwiefern das jetzt eine Rolle spielt (Aber wir schlagen ja auch Nägel in die Wand und nicht Bretter, gleiches Prinzip). Außerdem werden durch Mitinnervation ja die Muskeln des Unterarms angespannt (eigtl. umgekehrt, die Faust ist ja als letztes dran) - ob das noch etwas bedeutet?

P.S. Wenn ich wieder ein Einrad habe (Henno?), dann will ich auch mal einen Spin von mir Filmen und den beitragen :slight_smile:

Auf mich wirken die Spins in dem Video eigentlich recht stabil!

Das Wandern geht erst in dem Moment los, als Wolfgang aus der ersten Pirouette fährt. Das würde ich dann schon auf die ihr vorraus gegangenen Spins zurück führen. Bei Wolfgangs Technik ist es, denke ich, schwieriger eine Pirouette anzusetzten, die dann senkrecht über dem Boden bleibt. Denn bei dieser Technik hat man im Gegensatz zu der heute üblichen nur einen Punkt über dem Mittelpunkt des Kreises (statt den halben Körper). Wenn man sich das Video ein paar mal ansieht, muss man feststellen, dass Wolfgang schon beim ansetzten der Pirouete leicht schief, was sich dann - während er dreht - noch verstärkt, weil man es während der Drehung nicht mehr korregieren kann. Anschließend fällt auf, dass er nun mit einem föllig neuen Kreismittelpunkt weiter fährt.

Aber was die eigentliche Frage angeht überzeugt mich dieses Video, dass auch solche Spins gehen.

Ich hab noch mal ne neue Frage:

In vielen Videos sieht es so aus, als ob die, die Spins wirklich gut beherrschen und diese lange am Stück fahren, ziehmlich bald in einen Rhythmus kommen, bei dem stehts nach einem Kreis wieder das selbe Bein unten ist.
Bringt das einen Vorteil für die Stabilität des Tricks?

Wie gossi schon gesagt hat:

Bei dem von mir oben beschriebenen Trittmuster ergäbe sich kein unsauberer Kreis, sondern eher eine Elipse. Vielleicht ist das der Knackpunkt!? :thinking:

Nein, sowas meinte ich nicht. Es ist schon ein Kreis den man im Spin um einen Mittelpunkt fährt (mehr oder weniger, mit minimalen elliptischen Ausschwankungen). Welche wellen ich meine: Stell dir einen Kreis mit dem Zirkel gezeichnet vor. Und jetzt nimmsde einen Stift und malst Wellenförmig über die mit dem Zirkel gezeichnete Linie. So fährt dein Einrad - wegen der Kurbeln kommt das. Je kürzer die Kurbeln, desto geringer die Amplitude der Welle (Ich habs mal angehängt als Grafik).

Sorry, ich muss dir widersprechen - und ich hoffe Wolfgang hat nicht allzuviel dagegen, dass ich seine Bewegung mal auseinander nehme.

Zuerst kommt diese ruckelige Ausbuchsung der Hüfte (Arsch raus, Schultern vor) vom noch gerade fahren als Übergang in den Spin. Dabei geht das Tempo verloren und muss neu aufgebaut werden (was sich später “rächt”). Der Wolfang wird also schneller und richtet sich auch Stückweise weiter auf - Schultern ziehen weiter nach oben, Hüftstreckerwinkel wird größer. Die weiter, schwereren außen liegenden Bewegungssegmente (Schulter + Po) nähern sich der KLA an, die zwischen Schultern und Po liegt und das Lot fällt (wie oben schon erwähnt). Die Arme stabilisieren die Bewegung - zumindest hat es auf mich den Eindruck. Sie kreisen aber elliptisch. Durch unterschiedliche hohe Schulterstände sind auch die Hände unterschiedlich weit vom Boden weg, kann man sehr gut sehen. Die Arm-Rumpf-Winkel (ARW) verhalten sich auch unterschiedlich. Vor allem der linke ARW schwankt um hier überschüssige Energie durch das zu schnelle Treten abzugeben. So, dann kommt der Punkt mit dem ersten ‘full spin’ (360° Drehung) zuerst einmal vorwärts, dann einmal rückwärts. Aber wie kommt es dazu. Wie weiter oben erwähnt richtet sich der Oberkörper kontinuierlich weiter auf, die Massensegmente nähern sich der KLA an und letztlich ‘überlappt’ es, dann blockiert auch automatisch Wolfgangs linker Fuß, um hier den full spin einzuleiten und dann nochmal rückwärts weil noch so viel Energie aus der zuvor aufgebauten Geschwindigkeit vorhanden war - er nutzt sie auch direkt weiter, sehr clever, um hinten dran, nach einer Radumdrehung, nochmal 2 Fullspins zu machen (er wollte ja noch nen bisschen drehen, ne?)

Pirouetten waren da nicht bei. Dazu müsste es eine Drehung mit mind. 2 Umdrehung auf der Stelle sein (gibts da ne offizielle IUF Beschreibung zu?).

Mal ne Frage an den Wolfgang: weißt du was deine Arme während des Spins machen? Könntest du sie anders bewegen? (Aber das zielte jetzt auf die Freiheitsgrade).

Die Spins vom Wolfgang funktionieren sehr gut. Hätte er nicht voll hochbeschleunigt liese sich hier eine konstante Geschwindigkeit halten um den Spin zu stabilisieren - danach kann man immer noch schneller werden. Für einen Spin, egal nun welcher Art, muss man die Rumpf, vor Allem Brustmuskulatur, anspannen um die Energie zu “bündeln”?!? Hmm, jetzt doch Muskelanspannung bündelt die Energie? Siehe Fäuste oben.

Ich hab mal noch nen Bild von Wolfgangs Spin angehängt. Und auch nochmal eines, welches ich nach Wolfgangs erster Beschreibung verstanden hatte. Deswegen auch diese Irritation in meinem ersten Post.

Dein Körperempfinden hat deiner Beschreibung einen Streich gespielt :D. Deine Satz danach hat sich heute wohl eher umgedreht. Man hat sich durch Versuchen an eine neue bessere/schönere?* Spin-Variante herangebessert, die von dori im ersten Post skizzierte und Janina im Foto gezeigte. Dadurch hat sich die Körperhaltung eben verändert, als ein Defizitausgleich der Fahrtechnik würde ich das nicht werten, eher im gegenteil eine evolutionäre Verbesserung der Spintechnik.

Heute wird nach der neuen Technik trainiert - ich bring das auch so bei. Für dori ergeben sich dadurch in ihrem Vortrag 2 Fahrtechniken, die sie erklären kann. Vlt. auch mit diesem evolutionären Hintergedanken.

So. Feuer frei!

spin-welle.png

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spin-ancient.png

Den jetzt fett geschriebenen Satz versteh ich nicht so recht. Der schwankende ARW ist, denke ich, nötig um bei dem schiefen Oberkörper trotzdem die Arme weitgehend parallel zum Erdboden zubekommen. Das stabilisiert die Bewegung.
Aber was haben die Arme mit der Energie vom Treten zu tun?

Doch da steht was in den IUF-Regeln: Pirouetten gelten offiziell erst ab 3 Umdrehungen auf der Stelle. (Ich habe die Drehungen in dem Video nur so genannt, weil ich das Wort Full-Spins noch nicht kannte. - Find´s aber recht treffend!)

PS:

Das man mit längeren Kurbeln schneller schlänkert ist mir auch schon aufgefallen. Aber warum eigentlich?

Das ist das Prinzip der Kinetischen Kette. Energie wird in verschiedenen Körperteilen produziert und über Mitinnervation an die weiteren Muskeln mitgegeben. Galileo Mystery hat das in der Doku über Kampfsportarten sehr schön visualisiert:
http://www.youtube.com/watch?v=IhQ6SMqWFzU
Am Anfang der Boxer, da sieht man es schön von Fuß bis in die Faust und bei etwa 5:30 nochmal nen Kniestoß.

So eine kinetische Kette kann man bewusst einsetzen, beim Speerwurf z.B. fällt mir grad ein, weils unser Dozent dort immer wieder gesagt hat. Oder eben wie du es beim Wolfgang im Spin siehst. Die Beine strampeln und geben die Energie an den Oberkörper weiter, weils zu viel ist, muss er die wieder abgeben, durch das schwingen des Armes (warum das passiert, kann ich nicht erklären - aber es funktioniert). Und weils dann irgendwann zu viel ist - zu schnell gestrampelt der Gute - drückt es den Wolfgang rum und er macht zuerst nen Fullspin vorwärts, nen halben Spin weiter in einen rückwärts Fullspin und weil dann immer noch Energie da ist bzw. auch durch diese Spins wieder aufgenommen und erzeugt worden ist, dreht sich der Wolfgang nochmal, aber er hat es ja auch ein bisschen provoziert und wollte sich auch nochmal drehen, deswegen holen auch die Arme nochmal Schwung :slight_smile:

Das Wort Fullspin hab ich mir für den letzten Post ausgedacht. Da klafft es bei der IUF an der Nomenklatur für Spin-Tricks, mal die Japaner fragen, ob die dafür ein paar Namen haben.

Dass das Einrad mit längeren Kurbeln mehr schwackelt dürfte daran liegen, das die Pedalen und Kurbelarme weiter weg vom Radzentrum liegen als bei kürzeren, und wir sind wieder beim Massenträgheitsmoment, der quadrierte Abstand der Massensegmente zur Rotationsachse (also der Nabe). Das Massenträgheitsmoment ist bei längeren Kurbeln größer, also mehr Umwucht, die auf das Rad schlägt. Randbemerkung: Bei einem Rennen hatten sich 2 Japaner gegenüberliegend zur Kurbeln kleine Alu-Plättchen auf die Felge montiert um dort gegenzusteuern, was eine clevere Idee das ist.

Allerdings bin ich kein Physiker und das bisschen Biomechanik was ich hatte sollte auch nicht fest sitzen bei mir. Von daher sind auch meine Aussagen mit Vorsicht zu genießen dahingehend.

Nur zu.

Da meine Körperachse schräg steht, bleibt den Schultern gar nichts anderes übrig, als unterschiedlich weit vom Boden weg zu sein.

Laut IUF Rulebook sinds 3 Umdrehungen.

Beide Fragen kann ich mit einem klaren ja beantworten.

Ich habe auch nochmal ein Bild von meinem Spin angehängt. Es ist ein Ausschnitt aus dem Frame bei 2 Sekunden 15 aus dem Film:

Ich finde ja, das sieht eher nach deiner rechten Skizze aus, wenn auch mit etwas weniger Schräglage.

Ich sehe da nur computeranimierte Lichtreflexe, die über den Körper wandern. Ich kann daraus keine Weitergabe von Energie erkennen.
Was ist übrigens eine Kinetische Kette? Meintest du vielleicht Kinematische Kette? Aber auch dieser Begriff ist hier wenig passend.
Und was bedeutet Mitinnervation? Bei Wikipedia lernt man, daß Innervation die “Versorgung von Organen oder Körperteilen mit Nervenfasern bezeichnet”. Folglich wäre Mitinnervation die Mitversorgung mit Nervenfasern. Und was möchte mir das jetzt sagen?
Kann es sein, daß du hier mit Begriffen um dich schmeißt, die in diesem Kontext nur bedingt eine Bedeutung haben?

Da meine einzelnen Körperteile miteinander verbunden sind, kann der Oberkörper es nicht vermeiden, sich da hinzubewegen, wo die Beine hingehen. War das jetzt zu unwissenschaftlich?

Unsinn. Der Arm ist kein Blitzableiter. Rudern mit den Armen deutet darauf hin, daß ich leichte Korrekturen vornehmen muß, um den Schwerpunkt zu regulieren. Dabei wird aber keine Energie vernichtet.

Genau. Es stand die Frage im Raum, ob man aus so einem Spin eine Pirouette einleiten kann. Ich wollte zeigen, daß das geht. Und daß das keine Pirouette im Sinne des IUF Rule Book wurde liegt zum einen an meinem Unvermögen, zum anderen aber auch daran, daß der Boden dieser Halle gummiert ist und jede Art von Spins und Pirouetten eine Qual ist, da der Reifen förmlich am Boden klebt.

spin.jpg

Sorry - für die etwas späte Antwort. Musste mich diese Woche wieder erstmal “einstudieren”.

Naja, Schultergurt schräg stellen, Becken nach innen kippen - da gibt es Möglichkeiten

Ich hab auch mal ein Bild von Janina angehängt… Dort ist sie auch wunderbar gerade (aus dem gleichen Spin, wie oben schon das Bild). Betrachtet man dein Bild von der Seite bist du wieder geknickt.

Wie ungeschickt von mir. Natürlich heißt es kinematische Kette, ich hatte es wohl in dem Moment umbenannt, weil kinetische Energie weitergegeben wird. Die Begriffe stimmen schon, ich will sie erklären.

Erstmal Mitinnervation: Wie du richtig herausgefunden hast, bedeutet Innervation (u.a.) die Anreizung der Muskeln (Durch das Gehirn, das gibt elektrische Impulse, die dann die Muskeln kontrahieren lassen). Mitinnervation ist nun, dass nun benachtbarte/aneinandergehängte Muskeln, die du nicht willentlich unterbindest nacheinander mit kontrahieren (auch nur bedingt, nämlich durchaus willentlich gesteuert).

Kinematische Kette: Bei der Kinematischen Kette werden Energien, die in einzelnen Muskeln aufgebaut werden, (bei der Mitinnervation) an den nächsten Muskel weitergegeben, sodass am Ende bei einem Punch die Energie nicht nur aus dem Arm/Hand kommt, sondern gar aus den Füßen mit entstanden ist. Das ist dieses gelbe Geblinkel in dem Video oben.

Verständlich? Sonst will ich das auch gerne noch anders versuchen.

Hmm, ja - aber ich finds gut :smiley: (siehe unten)

Hmm, doch der Arm ist ein super Blitzableiter. Energie wird ja nicht vernichtet, sie wird viel mehr in eine andere Form umgesetzt, in der Sporthalle meistens in Wärme :slight_smile:

Um jetzt den ganzen Hokus-Pokus nochmal aufzugreifen. Durch dein Strampeln leitest du sehr viel Energie in den Körper hoch (weil du mehr Energie durch dein Strampeln erzeugst, als für das Fahren tatsächlich notwendig ist -> siehe Freiheitsgrade). Der Körper leitet das dann oben weiter, in den Oberkörper und gibt es über die Arme ab.
Beispiel: Man sieht es auch oft bei Japaner-Küren, ich habe mal darauf geachtet, während ich sie mir angeschaut habe. Die drehen sich ja gerne und auch ziemlich oft. Und die Arm-Bewegungen sind wahrscheinlich wohl nur aus ästhetischer Sicht und Zwecks Präsentation gewählt und dennoch “schmeissen” die förmlich zu viel Energie, die im Rumpf noch gespeichert ist, mit einer Armbewegung “weg”.
Anderes Beispiel, kennst du sicherlich (nehme ich mal an): Siehst du wenn jemand Spins trainiert. Müssen ja nichtmal viele sein. Aber mancher Fährt dann noch 2-3 Radumdrehungen und dann schmeisst es ihn vom Rad (müssen nicht zwingend Spins sein, aber dabei sieht man es am Besten). Da fährt dann der Fahrer, man sieht ganz offensichtlich das der Oberkörper falsch “hängt” (ich würde auf zu weit nach vorne tippen), der Fahrer wird schneller (im Treten jetzt) man denkt sich “fang den Trick” und dann plumpst er => Aufgestaute Energie im Körper, die nicht abgegeben worden ist.

Viel spannender finde ich an dieser Stelle die Frage: Wenn du deinen Oberkörper/Rumpf anspannst, kannst du diesem Wackeln teils widersetzen, ob dann immer noch die Arme Energie ableiten - ich würde fast behaupten schon, denn der Oberkörper (Brust/Schultern arbeiten ja trotzdem). Aber kann denn hier ein Muskeltonus die Kinematische Kette unterbrechen, quasi “ersticken”? Und warum? Eine Frage, die ich mir für meinen Prof notiert habe. Genauso warum es schwerer wird zur Pirouette zu ziehen, wenn man die Fäuste ballt.

Joa, ich hätte es nicht anders vermutet. Aber für die Pirouette muss eine gewisse Voraussetzung geschaffen werden (Oberköper in der Verlängerung der Sattelstange und am besten die Senkrecht zum Boden [grob]), dann ist auch der Vorgängertrick wieder “wurscht”.

Die andere Frage, worum der Thread ja auch hier geht. Ist die Physik von Spins. Und dort haben wir offensichtlich 2 verschiedene Ausführungsvarianten, die sich auch physikalisch unterscheiden. Ich hätte nichts dagegen beide erklärt zu haben - ich stelle das Ergebnis auch gerne auf einradfahren.de ein. Ich bin bei dem Thema ja fast selbst, bester Kunde :slight_smile:

janina-spin.png