Muskeleinsatz

da ich zur zeit ganz viel neues über muskeln lerne, auch ganz speziell über meine eigenen, würde mich mal interessiern, welche muskeln beim einradfahren besonders beansprucht werden und welche antagonisten (so heißen doch die gegenmuskeln?) zu kurz kommen.

hab da durchaus meine eigene theorie, die wurde auch im unterricht schon bestätigt (zumindest ist bei mir das von mir erwartete festgestellt worden), aber bevor iich damit auspack, würden mich eure meinungen interessiern. vielleicht hat da ja auch schon wirklich jemand was (semi)wissenschaftliches gemacht oder gefunden!!

mich interessiert hierbei ersteinmal ganz normales fahren, vielleicht noch bergauf, bergab und rückwärts, aber ansonsten keine besonderen tricks.

bin mal gespannt auf eure erfahrungen!!

Wolfgang Güllich, ein extrem guter, aber in den 80er-Jahren viel zu früh verstorbener Kletterer (nein, bei einem Autounfall!) hat einmal gesagt “der wichtigste Muskel des Kletterers ist das Gehirn!”

Nun muss man wissen, dass er der erste war, der beim Klettern systematisches Training mit Trainingsplänen einführte. Das ging bis hin zum gezielten Kraftaufbau einzelner Finger, um bestimmte Routen klettern zu können. Das ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert, denn zum einen hatte der Mann fundierte Kenntnisse der Anatomie und Physiologie, wodurch eine zu kurz gegriffene Intepretation des obigen Zitates entfallen muss (= er wusste sehr wohl, dass das Hirn kein Muskel ist). Zum anderen ist es besonders bemerkenswert, dass solch eine Aussage von einer Person kommt, die sehr starken Wert auf das Trainieren der Physis legte!

Ist das nun OT? Ich meine nicht. Da lässt sich durchaus einiges auf das Einradfahren übertragen, sei es beim Muni-Downhill, auf dem hohen 36er, beim heissen Ritt über Strassenbahnschienen oder auf der Rail. Oder ganz einfach der klassische Abgang nach vorne durch die selbsterfüllende Prophezeihung, dass man über die Stelle nicht drüberkommt.

Daher schliesse ich mich an: “das Gehirn!”

Es war erstaunlich, wie die marathongestählten Körper der Teilnehmer nach der ersten Nacht beim letzten ELSBET am Samstag früh die Treppe im Quartier rückwärts runtergehen mußten .

Da es beim ELSBET überwiegend den Berg runter geht, sind da die Bremsermuskeln gefragt. Das waren bei mir die Muskeln im Innenschenkel- und Schienbeinbereich.

sehr interessantes thema!

ich kann leider nur allgemeine feststellungen an mir machen:
je besser ich fahre desto mehr - also anzahl - muskeln benutze ich.
durch eine veränderte fahrtechnik beim streckenfahren habe ich mehr unterschenkelmuskulatur entwickelt die ich jetzt aber sehr wirksam beim muni einsetze.
auch wenn das nicht die frage war - beim springen benutze ich extrem die bauchmuskeln, was ebenfalls beim muni rolling hop sehr hilfreich ist und allgemein ein angenehmeres fahrgefühl bringt.

generell ist meine brustmuskulatur eher wenig beansprucht, rücken bauch und beine dafür gut. einzig bergabrennen führt bei mir schnell zu schmerzen in den knien was aber meiner meinung an mangelnder muskulatur dafür liegt.

Hier noch ein paar Punkte zu richtigen Muskeln - so wie ich es wahrnehme bzw. wahrgenommen habe.

Als ich angefangen habe Einrad zu fahren, da waren nach wenigen zig bzw hundert Metern im Flachen meine Oberschenkel komplett am Anschlag. Das lag definitiv an technischen Unzulänglichkeiten und ist später vollständig verschwunden.

Letztes Jahr habe ich zwei Eintagestoures mit über 100 km gemacht. Dabei konnte ich keine Muskelgruppe ausmachen, die besonders beansprucht worden wäre. Es ist bei mir nicht so, dass es die Beine sehr beansprucht hätte.

Bei höherem Tempo (Marathon) bekomme ich, wenn ich mich nicht aktiv entspanne, Rückenschmerzen, die ich auf eine Schwäche der Rumpfmuskulatur zurückführe. Die Beanspruchung der Beine ist wiederum vernachlässigbar (bei 36"/128 ohne Getriebe! Anderes Setup, anderes Spiel!) Bei verschärftem Uphill stelle ich fest, dass ich wieder dazu neige zu ägyptern, also seitlich verdreht zu fahren. Das halte ich auch für ein Problem der Rumpfmuskulatur, wobei hier wohl Asymmetrien zum Tragen kommen.

Bei Downhill ohne Bremse/Bremseinsatz führt zu einer starken Beanspruchung der vorderseitigen Oberschenkel. So habe ich mir den eindrücklichsten Muskelkater meines Lebens eingefangen. :astonished:

In der Tat ist es für einen Flachländer problematisch, längere Zeit bergab zu fahren, mit der Konsequenz, dass es einen heftigen Muskelkater gibt. Derzeit fahre ich in Vorbereitung zum Elsbet die “Berge” hier größtenteils ohne Bremseinsatz runter, um genau diese Muskeln zu trainieren.

Außerdem kommt meine Sprung- und Laufmuskulatur zu kurz. Ich kann weder gut/hoch springen, noch kann ich lange laufen oder joggen. Insbesondere die Waden machen sehr schnell schlapp.

Diese Erfahrung kann ich bestätigen. Grund dafür ist gemäß meinem Halbwissen, dass es dabei zur exzentrischen Kontraktion des Muskels kommt. Der Muskel bremst also die Bewegung und verlängert sich dabei, was gegen die typische “Arbeitsrichtung” eines Muskels ist und daher viel leichter zu einem Muskelkater führt.

Nach meiner Erfahrung hängt das stark von der Fußposition ab. Vorne auf den Ballen hat man am meisten Spielraum.

Wenn ich sprinte drücke ich die Zehen nach unten und ziehe die Ferse hoch, dadurch versteift sich mein Unterschenkel und die Trittkraft wird hauptsächlich vom vorderen Oberschenkel erzeugt.

Bergab ohne Bremse belastet bei mir die Sehnen am vorderen Unterschenkel (Schienbein), genau wie beim Wandern, wenn man ein paar Stunden mit 25kg Gepäck auf dem Rücken Bergab gelaufen ist. Ein Arzt sagt mir da sind keine Muskeln und rein optisch kann ich das Bestätigen aber ich hatte schon öfter am Schienbein, dass was ich an jeder anderen Stelle als einen starken Muskelkater nennen würde.

Generell würde ich sagen, die Antagonisten werden eher eingesetzt als beim Fahrrad, da man immer etwas gegen seinen Tritt arbeitet um die Balance zu halten.

schönen gruß an deinen arzt bei mir ist genau da vom munifahren ein muskel gewachsen - außen vorne neben dem schienbein, den kann man fühlen spüren und sehen also gehe ich davon aus das es ihn auch gibt;)

da ich recht viel muni fahre bekomme ich nicht den treppenruntermuskelkater, aber wenn ich ungebremst fahre - einen ganzen tag oder so scheuer ich mir die innenseite der schenkel wund weil die muskeln dort ohne bremse viel stärker beansprucht werden, warum auch immer - aber das sind auch die muskeln die ich beim schnellfahren strecke benutze :thinking: da habe ich aber auch an kraft gewonnen, am anfang hatte ich mit 160mm kurbeln muskelkater, jetzt finde ich 140mm schon recht entspannt…
und ich bekomme leichten muskelkater an der zugarmbrustseite…

Da sind in der Tat auch bei mir Muskeln, direkt vorne außen neben dem Schienbein. Allerdings hatte ich da noch nie Muskelkater, auch nicht beim Elsbet.

Ein wunderbares Thema, das freut mich. Da will ich erstmal etwas über Muskeln sagen, damit wir auch alle vom Gleichen reden:

Wenn ein Muskel arbeitet, dann kontrahiert er, er zieht sich zusammen (Die Aktin und Myosin-Köpfe im Muskelsarkomer ziehen sich dabei zusammen). Was anderes kann der Muskel auch nicht - ein Muskel kann sich nicht aktiv Dehnen (das ist ein passiver Vorgang des Muskels)! Der aktive (kontrahierende) Muskel ist der Agnoist, dessen Gegenspieler ist der Antagonist, typisches Beispiel ist Biceps und Triceps. Wenn der Biceps kontrahiert wird (ja, stellt euch vor den Spiegel!) ist er der Agonist und der Triceps ist der Antagonist, der wird gedehnt. Zum selber ausprobieren, der Agonist ist angespannt (mit dem Finger kurz drauf drücken), der Antagonist ist locker, auch einfach mal drauf drücken.
Wie feststellen, welches der aktive Muskel ist? Mit der Zwei-Finger-Methode: Ein Finger auf den “Anfang” des Muskels, den anderen auf das “Ende” des Muskels legen. Bewegen sich die Zwei Finger aufeinander zu, dann kontrahiert der Muskel. Anfang und Ende sind die Köpfe an denen der Muskel hängt, der Bizeps hat zwei, der Trizeps hat drei, der Quadrizeps hat vier, dazu muss man die Muskeln kennen (gibt aber gute Illustrationen online zu finden). Ich hoffe das ist verständlich

Je nach Disziplin sind u.a. die gleichen Muskeln aktiv, aber unterschiedlich beansprucht. In jedem Fall muss das Einrad ja angetrieben werden, die Beine. Die Muskeln, die für den Vortrieb sorgen werden Kinetoren genannt. Dabei muss man die Beine isoliert betrachten, ich probiers mal, etwa so:
Pedalstellung 9 Uhr - 2 Uhr:

  • Quadriceps (vorderer Oberschenkel) (konzentrisch)
  • Wade (exzentrisch)
  • Gluteus Maximus (im Volksmund auch Po) (exzentrisch)

Pedalstellung 2 - 6 Uhr:

  • Quadriceps (exzentrisch)
  • Wade (exzentrisch)
  • Gluteus Maximus (konzentrisch)

Pedalstellung 6 - 9/10 Uhr:

  • Quadriceps (exzentrisch)
  • Wade (konzentrisch)
  • Gluteus Maximus (konzentrisch)

Das ist jetzt allerdings nur sehr, sehr grob und auch nicht vollständig. Ich glaube, wenn man in Stützradliteratur schaut, sollte da was beschrieben sein. In dem Buch Fahrradphysik und Biomechanik von Michael Gressmann müsste das detailierter beschrieben sein.

Wie oben beschrieben, je nach Disziplin sind die Muskeln dann ganz unterschiedlich stark beansprucht. Die höchste Beanspruchung haben Wade und Oberschenkel sicherlich beim MUni Downhill, genauer beim Bremsen.

Dann kommt je nach Disziplin noch spezifische Muskelbeanspruchungen dazu. Bei den Disziplinen mit den großen Durchmessern im Reifen Rücken- und Bauchmuskulatur, die hier große Stützarbeit leisten, die bei kleinen Raddurchmessern garnicht so nötig ist. Bei Flatland und Street in jedem Fall noch die Sprungkraft aus den Beinen heraus. Beim Freestyle sogar noch Arme, die viel in der Luft arbeiten, wenn man sie einbaut.

Rücken kommt glaub ich bei jedem zu kurz. An der EUC in Köln hat man viele der Flatlander mit Rückenschmerzen gesehen. Bei manchen beugt sich der Körper wie in eine Brücke, wenn sie einen Crankflip springen. Wenn da die Muskulatur nicht stark genug ist, dem nachzukommen, belastet die sich irgendwann über und schmerzt dann.
Mein Rücken ist davon nicht unbetroffen muss ich zugestehen.

P.S. ja es gibt einen Muskel vorne am Schienbein. Der Muskulus tibialis anterior. Mal die Fußspitze zum Knie ziehen, dann mit dem Finger drauf drücken, dann spürt man das (liegt außem am Bein).

gossi

Du schreibst, dass ein Muskel sich nicht aktiv dehnen kann. Logisch.

Aber beim Bremsen den Berg runter zieht er sich nicht zusammen, sondern er muss der passiven Dehnung kontrolliert entgegenwirken. Er muss also arbeiten, während er von außen gedehnt wird, kann sich aber eben nicht zusammenziehen.

Was kannst du dazu schreiben? Was ist das für ein Vorgang?

da will ich dem fachmann aber mal wiedersprechen:
der muskel kann etwas beim einradbergabfahren etwas ganz entscheidendes:
er kann kontrolliert nachgeben - wobei er vom zug der sehnen gedehnt wird!

man nennt das auch bremsen;)
und das ist muskeltechnisch vermutlich ne andere geschichte als spannung aufbauen. ich vermute mal das sich der normale fachidiot nur mit der anspannung beschäftigt aber du bekommst bestimmt heraus welche spezialisten sich mit dem “nachlassen”, wie auch immer das auf fachchinesisch heißt, befassen :thinking:

äähh ja sehe grade Hugo war schneller…

Hi.
Da die Beinmuskulatur nun bereits schon etwas ausgibiger diskutiert wurde, möchte ich mal kurz mit einbringen, dass bei mir speziell seit dem ich das geschlumpfte 36er fahre, auch die obere Bauchmuskulatur deutlich kräftiger geworden ist. Ich nehme an, dass dies durch die größere Arbeit über den Griff (vor allem beim Beschleunigen und Bergauffahren im großen Gang) kommt.
Und da ich nach den ersten längeren Touren zu Anfang der Saison auch meistens leichten Muskelkater in verschiedenen Rückenabschnitten habe (KEINE Rückenschmerzen, die fühlen sich anders an), nehme ich an, dass diese Muskulatur wohl auch sehr beansprucht wird.

Zur Beinmuskulatur würde ich pauschal sagen, dass hauptsächlich Oberschenkel, Waden und Gesäßmuskeln trainiert werden. Der hintere Oberschenkel würde glaube ich nur trainiert, wenn man Klick-Pedale verwenden würde. Meine Schienbeinmuskeln sind glaube ich untermuskuliert. Das merke ich vor allen beim Joggen, was mir eigentlich weniger liegt.

Wie SloMo schon sagte, nennt man das exzentrisch - siehe http://www.sportunterricht.de/lksport/arbweis.html

So ist es, es gibt exzentrisch, konzentrisch und isometrische muskelarbeit. Aber der Muskel kann und wird sich niemals aktiv Dehnen können.

Hab auf einradfahren.de noch was geschrieben:
http://einradfahren.de/index.php?module=mod_content&action=article&title=Training/Kondition/Kraft und
http://einradfahren.de/index.php?module=mod_content&action=article&title=Training/Kondition&menu_id=146 (dort die pdf Kondition)

Ich wusste immer schon, dass wir irgendwo alle exzentrisch sind. :roll_eyes: :stuck_out_tongue:

Hat das irgendjemand hier behauptet? Ich denke nicht. :roll_eyes:

Er kann aber sehr wohl einer äußerlich wirkenden Kraft entgegenwirken und so seine Länge halten oder sich kontrolliert dehnen (lassen).

also, ich bin erstmal begeistert über die ganzen rückmeldungen.

im großen und ganzen kann ich da überall nur zustimmen.
unser bühnenkampflehrer hat durch einen recht einfachen test bei mir festgestellt, dass die hinterseite der oberschenkel im vergleich zu der vorderseite und der rücken im vergleich zum bauch (jeweils agonist und antagoist) “unterentwickelt” (mir fällt grad nix bessers ein) sind.

bloß bei einem bin ich mir nicht ganz sicher:
beim bremsen und beim bergabfahren (wenn man da gerade nicht beschleunigen will), welche muskeln werden da gebraucht?
wäre es nict möglich, dass da der hinter oberschenkel gebraucht wird?

um zur frage mit dem dehnen eines muskels zu kommen:
ein muskel kann sich nichteinmal ständig gespannt halten. wenn das signal für den muskel vom gehirn zum anspannen kommt, spannt er sich einmal kurz an und entspannt sich dann sofort wieder. damit man den muskel wirklich zu was gebrauchen kann, müssen mehrere impulse vom gehirn kommen. umso mehr impulse, desto mehr wird der muskel angespannt (oder er kommt einfach mit dem lockerlassen nicht hinterher). wenn nun ein muskel gedehnt wird, kann das gehirn nicht sagen, wir dehnen jetzt den muskel. man kann nur den entsprechenden antagonisten anspannen, was dann zu diesem ergebnis führt. führt man nun bewegungen aus, wo andere kräfte (z.b. die schwerkraft) die arbeit desantagonisten übernehmen, kann man den entsprechenden muskel langsam entspannen lassen (es werden dann weniger impulse geschickt, also ist mehr zeit zum entspannen).
ein beispiel dafür: situps
zum raufkommen muss der bauchmuskel stark beansprucht werden => viele impulse
oben angekommen (man sollte normalerweise nicht bis ganz nach oben gehen, weil dann der muskel komplett entspannen kann) kommt man in ein gleichgewicht von der muskelspannung und der schwerkraft
würde man nun den muskel komplett entspannen (= keine impulse mehr) fällt der oberkörper runter und der muskel wird gedehnt (bringt trainingstechnisch nix!)
statt dessen sollte man den muskel langsam entspannen (=immer weniger, aber halt nicht “keine” impulse vom gehirn). dadurch wird der muskel kontroliert gedehtn und mann kann den oberkörper langsam und sanft ablegen (was man auch nicht tun sollte, dann auch da entspannt der muskel)

also: muskel können nicht aktiv gedehnt werden, man kann sie aber kontroliert entspannen lassen oder halt unkontroliert.
beim unkontrolierten ist der trainingseffekt gleich null!

“dehnen lassen”, genau das ist der springende punkt. man kann aber nicht zum muskel sagen, “hop, dehn dich mal” :smiley: