Letzter Uniausflug

Vatertagsausflug

:astonished: Ich falle ins Bett!

Ich hatte ja nicht mal die HĂ€lfte heute auf dem Tacho stehen, war aber mit Rennrad (ja, das mit zwei RĂ€dern) unterwegs. Kurzum: Du machst mir Angst! :astonished:

Zumindest wundert mich nicht mehr, dass du mich beim Marathon mit Leichtigkeit abgehÀngt hast und ich dich erst im Ziel wiedergesehen habe


Du bist verrĂŒckt
 :astonished:
,oder wieviel Magneten hattest du an den Speichen?

Was sagt das Knie?

:astonished: Ist deine Midlife Krise so arg?

Ich hatte nur ein Rad und nur einen Tachomagnet :wink: Das Ziel meiner Tour war die EuropabrĂŒcke von Kehl nach Strasbourg.

Es ging um 5:30 los. Zuvor sollte ich noch zur Erkenntnis gelangen, dass das Sprichwort „the early bird catches the worm“ nicht unbedingt sprichwörtlich gemeint ist. Ich entsorgte die neue Haferflockenpackung und sattelte auf MĂŒsli um :frowning:

Ich fuhr zunĂ€chst nach Breisach. Leider hatte der Wetterbericht recht. Der böige Wind aus Nord störte bereits im Windschatten des Kaiserstuhls und liess mich Schlimmes befĂŒrchten.

7:00 in Breisach (km 25) hatte ich wegen Fahrbahnunebenheiten in Kombination mit einer Windböe den ersten Crash. Es sollte der einzige bleiben. Unangenehm war das Novum, dass das Einrad mein Schienbein getroffen hatte. Die kleine Schramme an der Schulter bemerkte ich erst heute. So war wenigstens der Druck weg möglichst lange am StĂŒck zu fahren :slight_smile:

Ab hier ist die Stecke fast komplett unbefestigt (schĂ€tze 2/3 der Gesamtstecke). Meist ist es gut fahrbar, aber manche Abschnitte sind deftig und eher dem Softmunibereich zuzuordnen. Am Rhein zeigte sich dann was zu befĂŒrchten war: heftiger Gegenwind. Marathondurchgang nach 2:25.

8:25: nach 50 km trudle ich beim Kiosk Rheinblick ein. Ich habe den Eindruck die Balance nach vorn und hinten nicht mehr gut im Griff zu haben und UPDs nur noch knapp vermeiden zu können. Bin froh um die Pause am Kiosk, dessen Betreiber aber kein Interesse an WĂŒrmern zu haben scheint ;). Egal, die Temperaturen sind noch unter 20°C und es ist stark bewölkt, meine Trinkblase ist noch gut voll und ich verdrĂŒcke einige Datteln. Bremsen ĂŒber die Pedale und lange Kurbeln sind Gift fĂŒr mein Knie. Kurzkurbeliges Touren geht so einigermassen. Nun ist es deutlich sauer auf mich, boykottiert mich aber noch nicht. Ich fahre weiter, aber das GefĂŒhl immer nahe am Crash zu fahren will nicht weichen, obwohl ein Asphaltabschnitt im windgeschĂŒtzten Wald folgt. Nach vielen Kilometern auf neu angelegte DĂ€mmen mit wenig verfestigtem Kiesbelag und unangenehmen Böen gelange ich bei der Kappeler RheinfĂ€hre wieder an den Rhein. Der Wind nimmt weiter zu. Ich versuche weiter zu kĂ€mpfen ohne mich zu verausgaben, weiter zu beissen, aber entspannt zu bleiben.

Bei Km 80, auf der Höhe von Schwanau, beginnt Neuland fĂŒr mich. Es folgt leider heftiges Crossterrain, dann guter Asphalt und schliesslich eine Strasse, wo ich nicht entscheiden konnte, ob die AsphaltfĂ€che oder die der Schlaglöcher grösser war. Die Schilder leiten mich in einem weiten Bogen ĂŒber Meissenheim um zwei Seen. Auf der Karte erscheint der direkte Weg als Radweg. Vorort war aber die Durchfahrt gesperrt. Dabei waren die Querwindpassagen am Schlimmsten. ZurĂŒck am Rhein fege mich der Wind zweimal vom Einrad. Er steht nun jenem in DĂŒsseldorf in nichts mehr nach, nur dass ich ohne Schutz frontal dagegen anfahren muss. Auf den verbleibenden 25km erwĂ€ge ich mehrfach umzukehren und doch nicht bis Kehl zu fahren. 11:46: der Tacho springt auf 100km. Einmal hatte ich mit MĂŒhe und Not noch 12 km/h auf dem Tacho und schon beschlossen umzudrehen. Da kam ich unerwarteter Weise etwas in den Windschatten des Rheindammes und blieb dran.

Nach 112,5 km Kehl ist erreicht und meine Trinklblase ist leer. Ich durchfahre den Deutsch-Französischen Park einer vergangenen Landesgartenschau. Ganz am nördlichen Ende finde ich doch noch eine Gartenwirtschaft. Ich trinke die Cola schnell, bevor sie durch die Menge an EiswĂŒrfel noch kĂ€lter wird und gebe abgepacktes Isopulver in die mit Wasser neu befĂŒllte Trinkblase.

UFO im Park - oder zwei?

Es geht zurĂŒck und der RĂŒckenwind hilft, aber er ist nicht konstant in StĂ€rke und Richtung. Die Balance zu halten bleibt anspruchsvoll. Ich ĂŒberschlage, dass eine Hatz auf 1:10:100 (RĂ€der:Stunden:Meilen [161 km]) keinen Sinn mehr macht. Ich gönne mir nun mehr Pausen und konzentriere mich voll und ganz darauf aus eigener Kraft wieder in Freiburg anzukommen.

Windsurfer auf dem Rhein haben ihren Spass am Wind. Ich sitze im Schatten eines Baumes, esse und trinke und schaue ihnen eine Weile zu. Des einen Freud, des anderen Leid. Ich weiss dass nun der Ausflug vom Rhein weg kommt, was ĂŒbler Asphalt und zwei lange Querwindpassagen bedeutet. In Meissenheim kamen mir fĂŒnf jugendliche auf RĂ€dern entgegen. Sie lachen und ich denke, dass sie sich lustig machen. Dann kommen aber Ausrufe wie „klasse!“, „cool!“ und „rattenscharf“! Ich versuche mich daran aufzubauen.

ZurĂŒck am Rhein. Die Sonne macht mir zu schaffen. Um ca. 10 Uhr waren die Wolken gewichen. Ich merke wie mich die Sonne zunehmend ausbruzelt. Der Wind war angekĂŒndigt, die Sonne nicht und Sonnencreme hatte ich vergessen. Ich war froh um den weissen Helm, aber ich merkte leichte Kopfschmerzen. Ich wollte sie bewusst im Auge behalten und mehr trinken. Ich hatte meine Bahncard 100 dabei und konnte jederzeit nach Osten an die Rheintalbahnlinie fahren um abzubrechen. Daher hatte ich auch kein Werkzeug dabei.

Mein RĂŒcken war bislang immer eine Problemzone. Bei meiner Zieleinfahrt in DĂŒsseldorf sass ich auf dem Einrad wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Mittleweile bin ich aber viel sensibler auf sich anbahnende Verspannungen und kann gezielt gegensteuern. Sicherlich die positivste Erkenntnis der gestrigen Tour!

17:30: nach 12 Stunden sind vier Marathonstrecken absolviert. Die 100 Meilen hatte ich in 11 Stunden geschafft. In Weissweil muss ich mich entscheiden: auf dem selben Weg westlich am Kaiserstuhl vorbei nach Breisach und sĂŒdlich vom Kaiserstuhl nach Freiburg oder aber nördlich am Gebirgsstock vorbei. Ich entschied mich fĂŒr Letzteres und bin mir heute sicher, dass ich Ersteres (225 km) nicht mehr gepackt hĂ€tte. Allerdings war die Traverse Richtung Osten nach Riegel zermĂŒrbend. Der Wind kam heftigst von der Seite und ich hatte ihm kaum mehr was entgegenzusetzen. Der Tacho fiel zeitweise in den einstelligen Bereich.

Mit RĂŒckenwind konnte ich nach 180km ein letztes Mal die 20km/h packen. Ein Abschnitt an der Dreisam entlang erschien mir in meinem Zustand unfahrbar. Es war ein Dammweg, der erforderte genau in einer der beiden ca 30 cm breiten Radspuren zu fahren. Ich war dann erstaunt die vielleicht 2km sauber durchfahren zu können.

Mir fehlte zunehmend die Energie zum Aufstieg. Dennoch hielt ich daran fest frei aufzusteigen und stellte ich fest, dass der Schnitt der Aufstiegsversuche bis zum Erfolg nicht zunahm. Zweimal glĂŒckte mir auch nach 200 km ein erster Versuch.

Ich hatte eine Radlerunterhose und zwei Radlerhosen ĂŒbereinander an. Ausserdem probierte ich den Tipp von Christian M. mit der Penatencreme aus. Mein Sitzfleisch hatte sich zwar bereits nach 10 km zum ersten Mal gemeldet, aber mit ab und an kurz aus dem Sattel gehen und etwas umsetzen kam ich hervorragend ĂŒber die Runden.

20:12: ich war praktisch Zuhause und der Tacho sprang auf 200km. „Flasche leer“ und selbst unter voller Konzentration und Anstrengung ging mehr als 15 km/h einfach nicht mehr. Aufsteigen, Fahren und sogar Absteigen – alles war nur noch Qual. Dennoch wusste ich genau, dass es bis 21:30 noch hell genug sein wĂŒrde, und dass ich mich hinterher Ă€rgen wĂŒde. Also quĂ€lte ich mich noch den 5. Marathon zu Ende zu fahren. Diese Extraschleifen dranzuhĂ€ngen, nach dem ich bereits Zuhause war, das war einfach nur noch grausam. Ich glaube ohne Zeitraffer hĂ€tte man sich schwer getan hier noch eine Bewegnung nachzuweisen! :wink: 21:07: der Tacho zeigt 211 km! Drei Minuten spĂ€ter bin ich Zuhause. Ich war 15:40 unterwegs.

An den Armen und Beinen habe ich ein paar Stellen, die nach gut gepaprikatem BrathĂ€hnchen aussehen, die Augen brennen etwas, an den Knien habe ich Scheuerstellen von den Schonern und ein Schienbein und eine Schulter haben eine Schramme. Das Knie bekam ein KĂŒhlpack verpasst. Heute morgen fĂŒhlte ich mich wie gerĂ€dert, aber inzwischen bin ich wieder ok. Aufstehen vom Stuhl und Sessel geht schon wieder ohne ArmunterstĂŒtzung, Sitzen ist schmerzfrei und Pendeln auf dem 20er geht auch schon wieder :slight_smile:

@Charly.Oldie: Redwelly war etwa 22, als er 2007 mit 454km den 24 Stunden-Weltrekord aufstellte. Sein Alter lÀsst keine Midlifecrisis als ErklÀrung zu. Bei mir könnte das vom Alter her wohl passen. Da sollen sich andere dazu Gedanken machen :wink:

Gratuliere

Das war eine ganz tolle Leistung
Im Schnitt hast du pro Marathon 3:07 gebraucht.

Ich seh schon, nÀchstes Jahr bei der UNICON werden sich die 100km Fahrer matchen

Gratuliere. Klingt fĂŒr mich, neben der offentlich beeindruckenden körperlichen leistung vor allem nach einer gigantischen Willensleistung. Ich konnte den ganzen Text ĂŒber “mitleiden”, da ich das GefĂŒhl nahe an der Grenze zu fahren gut kenne. Nur ist das bei mir nach spĂ€testens 6 Stunden da :smiley:

Du spinnst ja! :astonished:
Mit welchen KurbellĂ€ngen (bitte getrennte Angaben fĂŒr rechts und links :D) warst du unterwegs?

Boah ey

FĂŒr gewöhnlich lese ich nicht solche langen Texte im Forum. Deiner war nicht nur lesenswert, sondern auch mitleidenswert :).

Ich hatte diesmal sogar die Multikurbeln drauf! Aber entgegen aller Wahrscheinlichkeit hatte ich die Pedale jeweils ins 128er Loch geschraubt. Vielleicht war es deshalb so mĂŒhsam :smiley:

Mein Smartphone war unterwegs ausgestiegen, wollte wieder den PIN und dann war der Tracker weg. Daher war ich gerade erstaunt nun den Hinweg hochgeladen vorzufinden. Bin froh das Gegurke am Rhein entlang mal so genau nachvollziehen zu können. Auf dem Track sieht man, dass es etwa beim Ortsausgang Kehl auf dem RĂŒckweg aufhört.

Der Track ist hellblau und beginnt in Freiburg. Der RĂŒckweg von Kehl zurĂŒck ist am Anfang gleich bis zur roten Linie, die ich von Hand grob eingezeichnet habe.

Ähm 
 was ich auch noch festgestellt habe, ist 
 Ă€hm 
 ja, dass ich das Ziel knapp verfehlt habe :o

@Chris: Danke! FĂŒr die Comic-Leser unter uns hatte ich ja extra noch ein Bild gepostet :wink:

Tour.pdf (397 KB)

Kehl.JPG

Aufsteigen, Absteigen, Aufsteigen, Absteigen

Heute habe ich eine wunderbares Auf- und Absteigtraining beim 1. Abschnitt der Berliner Mauertour mit den BĂŒndnis 90-Die GrĂŒnen und Michael Cramer u. a. gehabt. Wie es bei Citytouren eben so ist, kommt man kaum ein paar hundert Meter weit und darf wieder absteigen und wieder aufsteigen und absteigen und aufsteigen
 :roll_eyes:
Da es keine sportliche sondern eine kulturelle Veranstaltung war, bin rundum zufrieden.
Außer einem Ups auf Kopfsteinpflaster ĂŒber eine BrĂŒcke beim Engelbecken in Kreuzberg gab es keine besonderen Vorkommnisse (trotz unendlicher Scherben ĂŒberall). Viel netter Zuspruch und der wohlwollende Hinweis fĂŒr die morgige Sternfahrt doch lieber mit dem Fahrrad zu fahren. So weit kommt’s noch :p.
Ein paar impressionen:

Gerstern (24") und heute (29") habe ich meinen Hausberg nochmal unsicher gemacht. Die Fotos sind von gestern frĂŒh (ca. 7:30 h). Bonn liegt noch im Dunst. Und auch Richtung Köln konnte man von der selben Stelle aus weit sehen, den Kölner Dom habe ich eingekreist. Das Muni steht bei beiden Blickrichtungen unverĂ€ndert an der selben Stelle.

ADFC-Sternfahrt 2011 in Berlin

Zu 4 tapferen Einradfahrern kamen ca. 250.000 StĂŒtzrĂ€dern.

(Und das Beste ist, daß Berlin seit ca. 1 Jahr still und heimlich :wink: Munizuwachs bekommen hat).

Ein paar Fotos von der Tour ĂŒber fast 30 km.
kurz nach dem Start:

auf der AVUS, da war gerade mal kein GedrÀnge :roll_eyes: :

Die 4 Einradheroen von Berlin ;):

Im Tiergarten auf der letzten Etappe:

Zur Vorbereitung aufs Elsbet war ich im Ruhrgebiet auf der Haniel Halde Muni fahren ;).

Mehr Bilder gibt es hier.

Und ich dachte schon, du hĂŒpfst und springst die ganzen Berge trialmĂ€ĂŸig runter! :p:D

Jetzt fehlt nur noch der Regen,dann biste optimal vorbereitet.:smiley:

Stimmt, irgendwie war ich da grad auch enttÀuscht
 :astonished: :wink:

@cyc

Klasse Geschichte :slight_smile: Solche Aktioen gefallen mir.

Ich glaube ich hĂ€tte mit meinem 26"er schon bei 100km MĂŒhe.

Mit welcher Radgrösse warst du unterwegs ?

Danke, Unikum!

Ich war mit meinem 36er unterwegs.