Inattentional Blindness [Studie]

Hallo liebe Einradfahrer,

im Rahmen einer Studie der Universität Erfurt habe ich mich ehrenamtlich betätigt.

Im Großen und Ganzen geht es um das Phänomen, dass man Dinge sieht, ohne sie wirklich wahrzunehmen - wenn man abgelenkt ist.
Versuchsaubau war:

Ein großer Platz; viele vorbeilaufende Menschen; ich mit meinem Einrad.

Ich bin auf dem Platz einen vorher festgelegten Kreis gefahren, am Rand des Platzes. Dennoch sehr auffällig und zu fast jedem Zeitpunkt sichtbar.
Viele Menschen, die telefonierend vorbeikamen, haben mich angeschaut, hatten mit mir Augenkontakt - doch bei der Befragung wussten sie nicht mehr, dass ich da war. Viele Passanten mit Telefon hätte ich ohne Probleme umfahren können, als hätten sie durch mich hindurchgeschaut.

Echt faszinierend, wie der Mythos “Multi-Tasking” zu zerplatzen scheint.

Wer mehr dazu wissen möchte, kann sich gern über “Inattentional Blindness” informieren.

Zeitungsartikel findet man u.A. hier:

www.tollesthueringen.de

www.thueringer-allgemeine.de

www.uni-erfurt.de

Viel Spaß damit :slight_smile:

Liebe Grüße

Wobei dieser Mechanismus sehr wichtig ist. Das Gehirn kann in der Regel gar nicht alle optischen Reize verarbeiten. Die Evolution hat bewirkt, dass oft nur das wahrgenommen wird, was im Moment relevant ist, denn die Exemplare, die das am besten konnten, haben auch bessere Überlebenschancen gehabt. Es gibt aber Menschen, bei denen dieser Mechanismus nicht richtig funktioniert. Oft können solche Leute dann zum Beispiel nur ganz schlecht Auto fahren, weil sie in kniffligen Situationen nicht die Informationen herausfiltern, die den Unfall vermeiden, sondern alles aufnehmen und dann verspätet reagieren. So jemand hätte dich wohl durchaus wahrgenommen und hätte es auch berichten können.

Fettes Kostüm :smiley: ich hoffe dafür hast du eine gute Entschädigung bekommen.
Die Studie ist interessant aber ich mein über ähnliche Experimente schon häufiger gelesen zu haben.

Mir ist eine Studie von der Western Washington University bekannt, die genau dasselbe beinhaltete. Ebendarum ging es ja auch, denn Studien leben bekanntlich vom Bestätigen durch Wiederholen.

Sicherlich haben mich Leute gesehen, die abgelenkt waren.
Dennoch war es ein erschreckend großer Anteil der Passanten, die mich nicht wahrnehmen konnten - trotz dem megaauffälligen Kostüm und dem Einrad.

Es soll einfach nur zeigen, dass man z.B. als Autofahrer auch kleine Kinder oder andere Hindernisse viel schneller übersehen kann, wenn man durch Handy, Gespräch oder Radio abgelenkt ist.

Für mich war es einfach nur äußerst interessant, von wenigen Personen direkt angeschaut und beobachtet zu werden, ohne dass sie mich wirklich registriert haben.

Die Frage mit dem Entlohnen hat sich ja schon in der 2. Zeile des Autorenposts erledigt - ehrenamtlich.

Erst gegen Ende habe ich erfahren, dass mir der Herr Professor Höflich einen kleinen Obulus zukommen lassen möchte.
Darum ging es mir aber nicht.

Ich wurde vor einer kleinen Weile von einem Studenten angesprochen, ob ich mich nicht bereiterklären würde und ich hab’s gemacht.

lG :slight_smile:

Das war mit der Entschädigung war mehr auf das Kostüm bezogen. Gehört schon viel Selbstbewusstsein dazu in so einem Kostüm damit zu machen :).

Gerade für die Wissenschaft ehrenamtlich zu arbeiten ist sicherlich sehr lobenswert (wobei für so Projekte viele Unis oft garnicht nach Ehrenamt fragen sondern lieber sehr viel Geld verpulvern, ich wunder mich da bei meiner immer wieder).

Mich würde interessieren, wie die Quoten der Clown-nicht-Seher waren, aufgeteilt nach Leuten, die mit dem Handy telefoniert haben und denen, die aufs Display geschaut und/oder irgendwas eingetippt haben. Mir ist nämlich nicht klar, worin genau die Ablenkung besteht: im Konzentrieren auf das Gespräch oder in der optischen Fokusierung auf das Gerät. Hast du da Zahlen?
Falls es keinen Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen gibt, sollte man über die Zulässigkeit von Freisprecheinrichtungen im Auto, ein Verbot sich mit dem Beifahrer zu unterhalten und das Anschalten des Autoradios nachdenken.
Ach ja, und dann würde mich noch interessieren, ob Leute ohne Handy dich signifikant häufiger wahrgenommen haben.

Hmm… Ich irgendwie habe ich noch so ein Gespräch mit einem Studenten dieser Uni im Hinterkopf… :smiley:

Hey,

@ Wolfgang:

Mit Sicherheit gibt es diese Zahlen. Die Studenten haben die Passanten befragt. In diesem Fragebogen waren - denke ich - auch Kategorien, um die Passanten einzuteilen. Haben sie telefoniert, um was ging es in dem Telefonat (eher Small-Talk, Emotionales usw.), hörten sie nur Musik über einen MP3-Player, waren sie durch ein Gespräch abgelenkt usw.

Die Zahlen werden laut der Uni veröffentlicht:

Ich denke, ich bekomme die Ergebnisse auch zugeschickt und wenn ich darf, stelle ich die hier gern zur Anschauung dar.

Hier habe ich noch ein Video gefunden:

www.tlz.de

Dazu sei gesagt: Die Szene ist nachgestellt. Es ging dort nur um die Fotos für die Fotografen. So lief der Test selbstverständlich nicht ab.

Was zeigt, dass Freisprecheinrichtungen kaum mehr als ein Feigenblättchen sind.
Bin für die Lösung “rechts ranfahren”, was Stadt- oder Landstraßenverkehr angeht. Autobahnfahren dagegen ist ja extrem unkompliziert, wenn man auf seinem Fahrstreifen bleibt - da find ichs grad noch vertretbar.
Musik ist aber zwiespältig, leise und textlos (oder in Fremdsprache, besser ausblendbar) ist sie ja konzentrationfördernd.

Japp. Und jetzt folgende Situation:
Man fährt auf dem straßenbegleitenden Radweg (gut sichtbar, keine Parker oder Büsche im Weg), Rechtsabbieger überholt einen kurz vor der Kreuzung, man denkt “der hat mich gesehen und wird meine Vorfahrt achten”, aber nix is’, Ein-/Radler ist nach 2 Sek. wieder aus dem Gedächtnis gelöscht.

-> Konsequenz für uns: niemals auf das Gedächtnis der anderen Verkehrsteilnehmer zählen

Mal zum Nachdenken: Was wurde im Experiment eigentlich gemessen?

Ob die Leute den Einradfahrer bemerken (um das festzustellen reicht es den Blickkontakt zu überprüfen) - oder ob sich die Leute nachträglich daran erinnen (Erhebung via anschliessender Befragung). Im Straßenverkehr ist vor allem ersteres wichtig um vorausschauend fahren zu können. Die Gedächtnisleistung ist da eher unrelevant - es sei denn im Falle eines Unfalls um hinterher den Hergang schildern zu können… (Ultrakurzzeitgedächnis macht noch Sinn, um sich zum Beispiel zu merken ob man im Rückspiegel oder beim Schulterblick jemanden gesehen hat - aber ich wage zu bezweifeln, daß die Befragung innerhalb von 20 Sekunden nach dem “sehen” des Clowns stattgefunden hat)

Ich will hiermit nicht den Zweck der Untersuchung in Frage stellen, eher die Richtung der Diskussion, die sich hier im Forum daraus ergab. Sicherlich - telefonieren im Straßenverkehr lenkt ab - aber aus dem Experiment wie es hier dargestellt wurde, lassen sich für diesen Fall keine validen Rückschlüsse ziehen.

Du hast recht, ich hab mich vergalloppiert ohne die Studie zu kennen.

Eins muss ich jetzt aber bei dir cherrypicken:

Nein, reicht es nicht!
Die Leute schaffen es, durch einen durch zu schauen. Ernsthaft.
Es ist der Prozess der Mustererkennung, der entscheidend ist, durch Überhaupt-schauen den richtigen Blickvektor zu haben reicht nicht.
Bei Reizüberflutung wird stärker ausgesiebt, da bleibt dann nur übrig was den Sehgewohnheiten am meisten entspricht: Autos, LKW und Lieferwagen, nicht dagegen Radfahrer, Poller oder Straßenbahnen. Ja, auch die werden übersehen, in Situationen in denen es nicht “Nicht-Schauen” gewesen sein kann (Frontalaufprall mit Linksabbieger).

Nachtrag:
Demonstration des Prinzips.

Noch was

Als VT kann man freilich trotzdem nicht mehr machen als den Blickkontakt zu prüfen.
Aber wenn man die gegenseitige Wahrnehmung von VT untersuchen will ist es halt nicht genug.

Diesmal hast du Recht! :slight_smile:

Ich weiß die genauen Zahlen nicht aber vom Prinzip her: der Mensch nimmt über seine Sinne in der Sekunde 10^9 Reize auf - diese werden bei der Verarbeitung erstmal auf 10^3 Informationen reduziert und anschliessend vom Gehirn wieder auf 10^5 Reize hochgerechnet, die dann auch tatsächlich “ankommen” - diese Umwandlungsprozesse sind für den Verlust von Informationen (wie zum Bleistift Leuten, die vor einem stehen ;):D) mit verantwortlich.

Bin mir nicht ganz sicher - aber ich glaub die Zahlen hab ich aus dem Buch “Denken, lernen und vergessen” von Frederik Vester (das ich vor über 10 Jahren mal verliehen und nie wiederbekommen habe :angry: )

Das Ganze erinnert mich an diesen “Bewusstseinstest”, den es in verschiedenen Varianten gibt.

Ihr seht Leute Basketball spielen. Die Aufgabe ist zu zählen wieviele Pässe das schwarze Team spielt:

http://www.youtube.com/watch?v=bioyh7Gnskg

Siehe bei mir oben.

Daumen hoch für den Artikel unter dem 2. Link! Vergleicht man ihn mit den beiden anderen, ist der Lesespaß ungleich höher, ohne einen Verlust an wesentlichen Informationen zu erleiden. Schön schön. Geiles Kostüm Paul!

interessante studie…auch von mir daumen hoch :slight_smile:

Ich kann nur anmerken, dass ich NICHT für diese Studie verantwortlich bin und auch nicht genau weiß, worum es geht. Ich war nur der “Trottel”, der sich als Clown verkleiden und Kreise fahren durfte. Das, was ich bisher davon mitbekommen habe, habe ich versucht, wiederzugeben.

Also bitte ich um Entschuldigung, wenn ich mich nicht aktiv und tiefgründig wissenschaftlich mit den Diskussionen über Wahrnehmungsfelder und Statistiken auseinandersetzen kann :stuck_out_tongue:

Ich wollte euch ausschließlich an meiner Erfahrung mit so einer Studie teilhaben lassen und die Möglichkeit geben, über das (von mir als interessant empfundene Thema) zu informieren.

Liebe Grüße von Paul mit der roten Nase :smiley:

ich muss gestehen, ich hab bei dem viedeo richtig gezählt und trozdem den sturmtruppler gesehen.
wird aber wahrscheinlich daran liegen, dass ich irgendwo schon mit sowas gerechnet habe, was dann natürlich des ganze ergebnis verfälscht…

Hallo,

heute ist im MDR ein kleiner Beitrag zu sehen.
Das Ganze wird im Thüringenjournal sein, also 19.00-19.30.

Wie lang der Beitrag sein wird, kann ich nicht sagen. Vermutlich nur um die 3 Minuten.

Liebe Grüße,

Paul