Faire Freestyle-Regeln

Bitte gebt Eure Meinungen und Ideen für faire Freestyle Regeln unter Fair Freestyle Rules

Willst du damit ausdrücken, daß die derzeitigen Regeln unfair sind? Ich stimme ja durchaus zu, daß es da massives Verbesserungspotential gibt. Aber ich würde diese Schwächen nicht unbedingt als unfair bezeichnen.

Ein erster Blick in das Proposal offenbart allerdings nichts Gutes. Erste Stichprobe, erster Punkt Proposal 18:

Die ersten beiden Sätze widersprechen sich schon mal.
Danach wird erläutert, wann Wertungen gestrichen werden. Nämlich ab einer Abweichung von 5% vom Durchschnitt der restlichen Wertungen. Ab einer Abweichung von 10% wird der entsprechende Kampfrichter für ein Jahr suspendiert. Es wird offen gelassen, ob diese Suspendierung sofort erfolgt oder erst mit Beendigung des Wettkampfs. Bei sofortiger Suspendierung fehlt ein Kampfrichter für den weiteren Verlauf des Wettkampfs und es wird die Regel verletzt, daß sich die Zusammensetzung der Jury während des Wettkampfs nicht ändern darf (IUF Rulebook 7C.4.4).

Mal kurz innehalten und nachdenken, was das bedeutet.

Meines Erachtens werden Kampfrichter damit dazu gedrängt, sich der gefühlten Mehrheitsmeinung anzuschließen. Für Technical Judging mag das vielleicht Sinn machen, da es dafür zumindest für einzelne Teilbereiche formale Wertungskriterien gibt. Performance ist dagegen sehr subjektiv und es wird immer abweichende Ansichten geben. Bei einem Maximal-Score von 40 Punkten werden die 5% schon bei 2 Punkten Abweichung vom Durchschnitt erreicht. Bei niedrigen Wertungen bereits bei einem Punkt Abweichung. Bei niedrigen Wertungen bedeutet 1 Punkt Abweichung sogar deutlich mehr als 10%, was zur Suspendierung führt. Soll ein Kampfrichter wirklich bestraft werden, weil er einem Teilnehmer 10 statt 11 Punkte gegeben hat? Ich persönlich würde mich unter diesen Voraussetzungen weigern, mich als Kampfrichter zur Verfügung zu stellen.

In der Begründung dieses Vorschlags wird die Wichtigkeit von konsistenter Wertung genannt. In der Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, daß die meisten Kampfrichter sehr konsistent werten, wenn auch nicht genauso wie andere Kampfrichter. Der eine gibt eher hohe Wertungen, der andere eher niedrige. Trotzdem sind die Wertungen jedes einzelnen Kampfrichters konsistent. Insbesondere beim ersten Starter kann ein Kampfrichter weder extrem hohe noch extrem niedrige Wertungen vergeben, weil er nicht weiß, was noch nachkommt. Insofern ist die Wertung des ersten Starters (ausgedrückt in Punkten) eher willkürlich und es wird ganz sicher starke Abweichungen zwischen den Kampfrichtern geben. Auch wenn sich das im späteren Ranking nicht ausdrückt.
Hier kommt mein Geständnis: wenn ich werte, bekommt der erste Teilnehmer bei Performance grundsätzlich 25 Punkte - Abzüge für Dismounts, bei Technik 15 Punkte + Wertung für Unicycling Skills (Abweichung in Extremfällen nicht ausgeschlossen, insb. Abweichung nach unten). Andere Kampfrichter mögen da ihre eigenen Systeme haben.

Das zweite Problem ist ein mathematisches. Beispiel: Jury Panel besetzt mit 5 Kampfrichtern für Technik und 5 Kampfrichtern für Performance. Wir betrachten jetzt mal nur die Performance. Ein Teilnehmer erhält folgende Wertungen:
Kampfrichter A: 40 Punkte
Kampfrichter B: 30 Punkte
Kampfrichter C: 25 Punkte
Kampfrichter D: 10 Punkte
Kampfrichter E: 0 Punkte
Der Durchschnitt liegt bei 21 Punkten. Damit weichen sämtliche Wertungen mehr als 5% vom Durchschnitt ab. Was nun? Alle streichen? Wie wird der Teilnehmer dann gewertet?
Alternative: wir streichen die Wertung, die am stärksten abweicht. Das ist Kampfrichter E mit [Error: Division by Zero] (ups Problem, Schwamm drüber, ist die stärkste Abweichung). Die verbleibenden Wertungen bilden einen Durchschnitt von 26,5. Damit weichen weiterhin alle Wertungen um mehr als 5% ab. Als nächstes wird Kampfrichter D gestrichen. Jetzt haben wir einen Durchschnitt von 31,7 und müssen Kampfrichter C streichen. Zwar weicht C weniger als A vom Durchschnitt ab gemessen in Punkten. Prozentual weicht C aber stärker ab, weil Wertungen unter dem Durchschnitt stärker gewichtet werden. Ungerecht, ist aber so (ups, noch ein Problem). Schließlich bleiben nur noch die Kampfrichter A und B übrig, deren Wertungen einen Durchschnitt von 35 haben. Beide weichen mehr als 5% ab, B weicht stärker ab (siehe vorheriger Punkt). Die Endwertung unseres Teilnehmers liegt also bei 40 Punkten aufgrund der Wertung von Kampfrichter A, der allerdings (ebenso wie alle anderen Kampfrichter) anschließend wegen einer Abweichung von über 10% vom Gesamtdurchschnitt suspendiert wird. Interessantes Ergebnis, nicht wahr?

Die anderen Punkte des Proposals habe ich mir nicht im Detail angeschaut. Aber die Überschriften suggerieren, daß die eigentlichen Probleme des Wertungssystems gar nicht angegangen werden. Dazu gehören meines Erachtens zum Beispiel die bis heute ungeklärte Frage, wie ein Einrad definiert ist (wichtig für die Frage, was als Unicycling Skill gewertet wird) und die Tatsache, daß Paaraktivitäten auf einem Einrad (Doubles) abgestraft werden, weil nur einer der Partner als Einradfahrer gewertet wird, wogegen der andere zur Requisite degradiert wird.

Ich empfehle, das Proposal nochmal zu überarbeiten.