Energieaufwand beim Einradfahren

Hallo,
das ist vermutlich nur für Anfänger interessant. Ich bin also jetzt zweieinhalb Monate dabei, die Kunst des Einradfahrens zu verfolgen. Ich merke, daß ich immer sicherer werde , die Entwicklung jedoch ihre Zeit in Anspruch nimmt. Mein Mentor hier in der Heidelberger Einradcommunity hat mir geraten aufs 24"-Rad umzusteigen, obwohl ich gerne mit dem 20"er weitergefahren wäre. Seiner Meinung nach würden meine Entwicklungssprünge mit dem 24"er größer ausfallen. Das kann ich natrürlich nicht beurteilen, folge aber dem Radschlag.

Ein Betrachtungsgegenstand ist mit Sicherheit der Energieaufwand während des Fahrens. Ich merke und das kann man auch hier im Forum andernorts lesen, daß man relativ schnell aus der Puste kommt… Ich versuche natürlich, meinen Atem beim Fahren zu kontrollieren und nicht zu schnell ins Schwitzen zu geraten. Das gelingt mir aber nicht immer. Ich würde gerne etwas kooler werden.

Wenn man irgendwann mal ordentlich fahren kann und die Kondition stimmt, ist es dann vorbei mit dem Schnaufen und dem angeregten Puls? Gibt es da Trainingsempfehlungen? Wann wird man “cool”, ;-)?

Grüße, Jakob

Je besser du fahren kannst, desto weniger Energie geht für’s Balancehalten und die ganzen kleinen Ausgleichsbewegungen drauf. Als Anfänger wird nur ein kleinerer Teil deiner eingebrachten Energie tatsächlich für den Vortrieb genutzt.
Je sicherer du wirst, desto mehr nähert sich dein Energieaufwand dem des Fahrradfahrens an.

Ich schätze, bei geübten Einradfahrern liegt der Energieaufwand bei Faktor 1,5 bis Faktor 3 verglichen mit dem Fahrrad. Die große Spanne beruht auf dem benutzten Einrad. Ein 36er mit Schlumpfnabe liegt eher bei 1,5. Ein 24er ohne Übersetzung kommt wohl an 3 ran. Vielleicht auch drüber.

Das wage ich zu bezweifeln.
Ich habe den Eindruck, dass ich auf dem Einrad weniger Kraft brauche als auf dem Fahrrad. OK, ich fahre nicht so schnell und habe eine höhere Trittfrequenz und schwitze dadurch schneller. Aber gerade wenn ich Bergauf fahre bleiben die Zweiradfahrer zurück. Ich habe deshalb eher das Gefühl. dass ich beim Einradfahren weniger Energie brauche als beim Zweiradfahren. Beim Einrad hat man eben nur ein Rad was sich dreht. Beim Fahrrad gibts ein Vorderrad, ein Hinterrad, ein Tretlager, einen Kettenspanner mit 2 Zahnrädern und dann noch die Kette mit erheblichen Reibungsverlusten. Demgegenüber steht beim Einrad natürlich auch der Kraftaufwand, das Gleichgewicht zu wahren. Ich bin aber überzeugt, daß die Reibungsverluste beim Zweirad einen größeren Effekt haben als der zusätzliche Kraftaufwand bei einem geübten Einradfahrer.

PS: Das Aufsteigen aufs Einrad braucht natürlich wesentlich mehr Energie als das Aufsteigen aufs Zweirad :wink:

Rein physikalisch gebe ich dir Recht. Meine Aussage bezog sich auf die gefühlte Anstrengung, wobei man auch da unterscheiden muß zwischen Energieaufwand pro Zeit oder Energieaufwand pro Strecke. Ich bezog mich auf die Strecke.

Nach meinem Verständnis gibt es 2 Argumente, warum der Energieaufwand beim Einrad höher ist als beim Fahrrad:

  • die Trittfrequenz ist höher. Dadurch müssen sich die Beine mehr bewegen und die Füße mehr Strecke zurücklegen.
  • die Fahrgeschwindigkeit ist niedriger. Dadurch braucht man für dieselbe Strecke länger. Ein Großteil der verbrauchten Energie ist Grundumsatz, der pro Zeit anfällt. Unabhängig von der dabei verrichteten Arbeit. Wenn man also länger fährt, verbraucht man mehr Energie.

im optimalen Bereich etwas zwischen 1,1 und 1,5 erreichbar

in allgemein stimme ich dazu.

Es hängt auch viel davon ab, wie die Frage genau definieren wird… im optimalen Bereich oder nicht, u.a. abhängig von Geschwindigkeit und Steigung (Extremfall Berg ab) oder nicht.

Im optimalen Bereich (betrifft beide Steigung und Geschwindigkeit) ist das Einrad nur etwas weniger effizient Berg auf und im Flachen:

  • Energie auch für das Balance benötigt wird (für ungeübte Fahrer kann das sehr hoch sein)
  • etwas weniger Gewicht eines Einrad
  • etwas weniger Verlust im Antrieb (aber sauber hochwertige Fahrrad-Antriebe haben Verluste unter 1%)
    –> Für geübte Einradfahrer denke ich, dass etwas zwischen 1,1 und 1,5 erreichbar ist.

Berg ab ist das Einrad aber deutlich ineffizienter, da ein Fahrrad fast alle potenzielle Energie ins Bewegung konvertiert und treten nicht benötigt sondern nur zusätzlich ist, und ein Einrad muss beide mit getreten werden und zusätzlich die Balance aufrechterhalten. (Beispiel: Ein Fahrradfahrer kann einen Bergpass einige Kilometer auf einen Teerstrasse runter rollen fast ohne Energieaufwand – fast nur Bremshebel betätigen. Einen Bergpass runter mit dem Einrad macht Spaß :D, ist aber meistens relativ anstrengend).

Hinter dem Effekt, dass ein Einradfahrer schneller Berg auf als ein Fahrradfahrer ist, liegt fast immer ein stärker und besser trainiert Einradfahrer. :wink:

@ansgar: Ich behaupte, dass wenn du so viel auf einem Fahrrad trainieren würdest, wie du vermutlich auf dem Einrad hast, wärst ansgar auf dem Fahrrad doch schneller.

Anders sieht es aus außerhalb der Optimalbereich, wo das Einrad deutlich weniger effizient ist, z.B. bei hohe Geschwindigkeit, sehr steile Berg auf Passagen (z.B 15% bis 30% und Berg ab), da Fahrräder meistens mit Gänge und anpassbarer Übersetzungen ausgestattet sind.

Ich war gerade die letzte 2 Wochenende auf Einrad-Wettkämpfe (Italienische und Deutsche Einrad Meisterschafte), und beim Uphill ist das deutlich zu sehen (und spüren!): der Energieaufwand beim steilen Uphill von >15% mit dem Einrad ist enorm. In beide Uphill Rennen war es sehr sehr anstrengend einfach irgendwie hoch zu kommen. Mit dem Mountainbike könnte ich einfach runter schalten und gemütlich hoch treten, oder doch kräftig und dann deutlich schneller.

Trotzdem macht es Spaß Radfahrer Berg auf zum überholen! :slight_smile: Mit meinem 29+ und 36 kommt das schon oft in den Bergen vor.

Ich glaube sogar, das Rad fahren das aller effiziente Vorbewegungsmittel überhaupt ist (Ich habe gerade vor ein paar Wochen eine quasi-wissenschaftliche Berechnung gelesen, dass ein Fahrrad effizienter als alle Tier-Bewegungen wie fliegen/laufen/schwimmen aber auch andere maschinell wie Flugzeuge, Autos usw.). Drin haben sie explizit passive Vorbewegungsmittel wie Qualen im Meer oder Gleitflieger ausgeschlossen. Das Einrad war aber nicht drin.